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Smarte Hilfe für Menschen mit Behinderung

von Christian Zeiser

Blinde erkennen Gegenstände, Taube folgen einer Unterhaltung: Smartphones erleichtern Menschen mit Behinderung den Alltag.

Kommunikationsgerät, tragbare Spielkonsole und Fernbedienung für Smart-Home-Geräte: Für die meisten Menschen sind dies die wichtigsten Funktionen eines Smartphones. Dabei sind die flachen Genies noch auf ganz anderen Gebieten eine echte Hilfe – zum Beispiel für Menschen mit Behinderung.

Für Blinde: Die Smartphone-Kamera als Auge

Die Interaktion mit einem Smartphone läuft zum großen Teil über dessen Display – und genau damit können blinde Menschen nichts anfangen. Also verlassen sich Apps für Sehbehinderte auf die Sprachausgabe. Hier leistet Apples VoiceOver genannte Technologie hervorragende Dienste: Sie liest nicht nur dargestellten Text vor, sondern gibt auch die Namen angetippter Bildschirmelemente als Sprache aus. Erst so werden Smartphones für Blinde wirklich nutzbar – vor allem in Verbindung mit den richtigen Apps.

So leistet etwa die App TapTapSee erstaunliche Dienste: Sie erkennt Dinge, die mit der Kamera des Smartphones aufgenommen wurden, und beschreibt sie. Das funktioniert verblüffend gut, so wurde etwa eine Computermaus korrekt als Apple Magic Mouse erkannt. Einzig beim Foto eines Hundes lag sie knapp daneben und beschrieb ihn als Puggle, also Mops-Beagle-Mischling, obwohl er in Wahrheit ein Mojack ist, also Mops-Jack-Russell-Terrier-Mix. Kleine Schwächen dieser Art sind sicherlich zu verschmerzen.

Auch andere Apps bieten Blinden nützliche Hilfe im Alltag. KNFB Reader erkennt fotografierten Text und liest ihn vor, sei es aus der Zeitung, dem Kochbuch oder dem Kontoauszug. Ariadne GPS gibt Blinden per Sprachausgabe Informationen über ihre Umgebung, nennt Straße und Hausnummer ebenso wie nahe gelegene Geschäfte, Restaurants und mehr. Schön ist auch die Idee hinter Be My Eyes: Die App ermöglicht es Blinden, bei Bedarf Hilfe von einer sehenden Person zu bekommen. Hierzu baut sie eine direkte Video-Verbindung auf und überträgt das Bild von der Kamera der blinden zum Smartphone der sehenden Person. Diese kann nun erkennen, ob etwa die Milch abgelaufen ist oder ob die beiden herausgesuchten Socken zueinander passen.

Für Hörbehinderte: Lesen statt hören

An hörbehinderte Menschen richtet sich die iPhone-App ICantHear, die gesprochenen in geschriebenen Text übersetzt. Diesen überträgt sie an eine temporäre Webseite, der hörbehinderte Mensch kann also im Browser mitlesen, was das Gegenüber sagt. Spread Signs indes ist eine Art Universalübersetzer für Gebärdensprache, das Gesten für über 200.000 Worte in mehr als 20 Sprachen als kurzes Video präsentiert.

Für Rollstuhlfahrer: Barrierefrei unterwegs

Menschen, die zum Fortkommen auf einen Rollstuhl angewiesen sind, wissen: Überall lauern Hindernisse. Hier hat ein Bahnhof noch immer keinen Aufzug, dort ist ein Geschäft nur über mehrere Stufen zu erreichen. Barrierefreie Zugänge werden allerorten gebaut, doch selbstverständlich sind sie noch nicht. Deshalb ist die App WheelMap nützlich: Sie zeigt an, ob Geschäfte, Restaurants, Unterkünfte und vieles mehr in der Umgebung rollstuhlgerecht gebaut sind. Dabei verlässt sich sich ganz auf ihre Nutzer, die die Datenbank mit immer neuen Informationen füttern. So entsteht eine weltweite Übersicht barrierefreier Einrichtungen, die Rollstuhlfahrern sogar den Urlaub massiv erleichtern kann.

Artikel vom   20. Juni 2017
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