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Smart Parking: Mit dem Handy einen Stellplatz finden und Preise vergleichen

vonLena Ingers

Schon bei der Abfahrt wissen, wo man sein Auto am Zielort parken kann - dank Smart Parking kein Problem mehr.

Die Parkplatzsuche in Großstädten ist nicht nur lästig. Sie kann auch ganz schön umweltschädlich werden. Eine Studie aus New York zum Beispiel ergab, dass der Parkplatzsuchverkehr im dicht bebauten Manhattan bis zu 30 Prozent des Gesamtverkehrs ausmacht. Wie fast überall kurven die Fahrer nämlich einfach so lange um die Blocks, bis sich eine Lücke auftut.

Zahlreiche Apps wollen den Autofahrern diesen Stress ersparen und machen schon bei der Anfahrt einen Stellplatz ausfindig. Teilweise ist sogar die Reservierung und Bezahlung in einer Anwendung möglich.

Ampido
Die kostenlose App Ampido funktioniert wie ein mobiler Marktplatz für private Stellplatzangebote und -gesuche. Sie zeigt dem Suchenden beispielsweise an, wo Privatleute ihre Einfahrten tagsüber vermieten. Den Grundstück-Eigentümern beschert das zusätzliche Einkünfte und die Nutzer freuen sich über unschlagbar günstige Preise. Im Schnitt kosten die Parkplätze hier 1,50 Euro pro Stunde. Natürlich ist nicht immer gesagt, dass man auch einen passenden Stellplatz in Zielortnähe findet. Aber die Zahl der Anbieter in Städten wie Köln, Hamburg und München wächst. Einmal mehr wird deutlich, welche Vorteile die „Sharing Economy“ in fast jedem Lebensbereich bereit hält.

Parkopedia
Die Datenbank von Parkopedia listet angeblich mehr als 38 Millionen Parkplätze in 52 Ländern auf. Damit findet die App, ausgehend vom Standort des Nutzers, fast immer einen Stellplatz bei einem nahegelegenen kommerziellen Betreiber. Die Ergebnisse werden nach Preisen sortiert aufgelistet. In der Premium Version für 1,99 Euro pro Jahr bietet die App zusätzliche Suchoptionen, wie zum Beispiel Anschlussmöglichkeiten an die Bahn, Einfahrtshöhen oder Ladestationen für E-Mobile. Auch die Echtzeit-Informationen über tatsächlich freie Stellplätze verbergen sich hinter der Bezahlschranke. Fleißige Nutzer können die Funktion aber auch freischalten, indem sie noch nicht erfasste Parkplätze melden und so Punkte sammeln.

Parkpocket macht Parkopedia ernsthaft Konkurrenz. Denn diese App aus München bietet den Echtzeit-Service für aktuell etwa 50 Städte im deutschsprachigen Raum vollkommen gratis an. Geld verdienen die Macher durch Kooperationen mit Betreibern, Kommunen und anderen Partnern. Parkpocket zeigt an, wo noch freie Parkplätze zu finden sind und wieviel sie kosten. Auch Reservierungen sind möglich. Erfasst werden aber ausschließlich große Parkhäuser und Tiefgaragen, was die Auswahl etwas einschränkt.

Smart Parking, also das Geschäft mit Parkraumdaten, entwickelt sich zu einem Milliardenmarkt.

ParkMe
Auch mit ParkMe können sich die Nutzer freie Parkplätze in Zielortnähe anzeigen und reservieren lassen, Preise vergleichen und sich von der App dorthin lotsen lassen. Der neueste Clou: Wenn die Parkzeit abläuft, schlägt das Handy Alarm. Den Weg zum Parkautomaten kann sich der Nutzer aber sparen. Auch das „Münzen nachwerfen“ geht jetzt per Smartphone. Nach eigenen Angaben erfasst das Startup aus Kalifornien mehr als 29 Millionen Parkplätze in 3.232 Städten weltweit. Dabei hat ParkMe sogar das Parkraumangebot auf der Straße im Blick. Schlaue Algorithmen erstellen Prognosen, wo sich die Parkplatzsuche wahrscheinlich am schnellsten auszahlt. In der App werden die Daten als so genannte „Heatmap“ dargestellt. Grün bedeutet: Hier sind noch viele Plätze frei. In gelb und rot markierten Straßenzügen ist die Parkplatzsituation dagegen angespannt. Der so genannte on-Street-Parkingdienst ist bisher allerdings nur in ausgewählten Städten verfügbar. München gehört dazu.

Fazit
Das Parken mit App-Unterstützung kostet vielleicht weniger Zeit und Nerven. In den meisten Fällen muss der Nutzer dafür aber tiefer in die Tasche greifen, denn die kommerziellen Apps lotsen den Fahrer fast immer zu den teureren Parkhäusern und Tiefgaragen in der Innenstadt. Die Sharing-App Ampido bildet die Ausnahme. Hinzu kommt: Solange jeder mit dem eigenen Auto in die Innenstadt fahren und in Zielortnähe parken will, hilft auch Smart Parking nicht gegen den grundsätzlichen Platzmangel.

Wirklich schlau stellt es hingegen seit kurzem der Carsharing-Dienst DriveNow an: Die Nutzer sollen die Fahrzeuge künftig einfach im fliegenden Wechsel übergeben, statt sie immer wieder abzustellen. „Handshake“ nennt sich das neue Feature, das im November vorgestellt wurde. Es funktioniert so: Der Nutzer gibt sein Fahrziel in die App ein und wählt die Option „Auto am Ziel anbieten“. Daraufhin sucht die App automatisch nach einem „Match“, also einem anderen Fahrer, der zufällig genau zur geplanten Ankunft ein Fahrzeug in der Zielgegend sucht. Dieser muss dann nur noch zum vereinbarten Treffpunkt gehen. Die gelungene Übergabe wird von beiden per App bestätigt, fertig! Für das Unternehmen rechnet sich das auch: Schließlich verdient DriveNow nur Geld, so lange die Fahrzeuge in Bewegung sind.

Artikelvom  02. Dezember 2016
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