Der Chat ist momentan leider nicht verfügbar

  • ThinkstockPhotos-618517990-slb.jpg

Sind autonome Autos die Zukunft?

von Christian Zeiser

Für Trinkwasser brauchen wir keinen Brunnen, für Strom keinen Generator. Bald werden wir auch kein eigenes Auto mehr benötigen, um mobil zu sein.

Mobilität ist ein Grundbedürfnis moderner Menschen, genau wie Elektrizität, sauberes Trinkwasser und Kommunikation. Deshalb haben sich im Laufe der Zeit Strukturen gebildet, die es unnötig machen, etwa einen eigenen Brunnen zu besitzen, um Grundwasser zum Trinken zu fördern. Wir drehen einen Hahn auf oder legen einen Schalter um und bezahlen je nach Verbrauch. Nur ein Auto besitzen die meisten von uns immer noch selbst, auf 1000 Einwohner Deutschlands kommen 684 Kraftfahrzeuge. Die überwiegende Mehrheit dieser Autos wird weniger als eine Stunde pro Tag bewegt, anders ausgedrückt: Die stehen eigentlich nur herum.

In den USA und anderen Ländern gibt es den Fahrdienst Uber, der die Idee der überall verfügbaren Infrastruktur auf das Auto überträgt: Wer kein eigenes Auto besitzt, ruft mittels der Uber-App einfach eines. Daraufhin kommt ein Uber-Fahrer mit dem eigenen Fahrzeug vorbei und bringt seinen Passagier zum Ziel. Eine gute Idee, denn so lässt sich die Anzahl der ungenutzt herumstehenden Privatfahrzeuge verringern. Allerdings kann dies nur der Anfang sein. Einen wirklichen Durchbruch im Individualverkehr wird es erst geben, wenn Autos ganz selbstständig fahren. Übrigens hat Google im Jahr 2017 satte 250 Millionen Dollar in Uber investiert – und Google forscht an selbstfahrenden Autos.

Die langfristige Idee sieht also so aus: Fahrdienste wie Uber verfügen über eine Flotte von autonomen Fahrzeugen. Wer immer ein Auto benötigt, ruft sich eines über die App und gibt an, wohin sie oder er möchte. Dank der Standortdaten des Smartphones weiß das Fahrzeug, wo es den Passagier aufsammeln kann und fährt dann selbstständig zum Ziel. Die Vorteile gegenüber dem bisherigen Modell: Zum Einen ist es günstiger, weil kein Fahrer mitverdienen will, und zum Zweiten ist die Verfügbarkeit des Angebots nur von der Flottengröße abhängig. Gerade durch den Wegfall eines Fahrers könnte das Angebot zu einer deutlich günstigeren Alternative zum eigenen Auto werden.

Computer fahren besser als Menschen

Die Zukunft des Individualverkehrs ist also von zwei Entwicklungen abhängig: konsequentes Car-Sharing und autonomes Fahren. Schon heute sind wir nicht weit davon entfernt, Autos vollkommen selbstständig fahren lassen zu können, wie etwa ein Video des Herstellers Tesla zeigt: In ihm fährt ein Auto seinen Besitzer zur Arbeit im Tesla-Hauptquartier. Es navigiert durch die Stadt, nimmt den Weg über die Autobahn, lässt den Fahrer vor dem Haupteingang aussteigen und sucht dann einen Parkplatz. Dabei fährt er sogar an dem für Behinderte reservierten Stellplatz vorbei und parkt am Ende souverän rückwärts ein.

Noch sind Technik und Gesetze nicht ganz am Ziel, noch muss stets ein aufmerksamer Passagier hinter dem Lenkrad eines autonom fahrenden Wagen sitzen, doch dies ist nur eine Frage der Zeit. Andere Vorteile liegen auf der Hand: Eine Software reagiert schneller als ein menschlicher Fahrer und ermüdet bei längeren Fahrten auch nicht. Hundertprozentige Sicherheit wird auch ein autonomes Fahrzeug nicht bieten, wie der tödliche Unfall mit einem Tesla zeigt – sicherer würde das Fahren aber allemal deutlich. Die US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit gibt an, dass die Unfallrate von Tesla-Autos nach der Einführung des selbstständigen Fahrens um 40 Prozent gefallen ist.

Das eigene Auto wird überflüssig

Beim konsequenten Car-Sharing wird die Sache schon komplizierter. Wir sind es einfach seit vielen Jahrzehnten gewohnt, ein eigenes Auto zu haben, das jederzeit zur Verfügung steht. Andererseits haben die beiden großen Car-Sharing-Anbieter in Deutschland, car2go und DriveNow, zusammen bereits knapp 1,5 Millionen Kunden in Deutschland. Außerdem kennen wir die Nachteile eines eigenen Autos, angefangen bei den Fixkosten über den schnellen Wertverlust bis hin zur lästigen Parkplatzsuche. Wir kennen die zugeparkten Wege in den Städten, den Raum, den Parkplätze einnehmen und der anders genutzt die Lebensqualität in dicht besiedelten Gegenden deutlich erhöhen könnte. Die Vorstellung, all dies künftig vermeiden zu können, hat sicherlich ihren Reiz: Man hat kein eigenes Auto, aber jederzeit Zugriff auf eines. Es gibt insgesamt weniger Autos, die deutlich besser ausgelastet sind. Je nach Vorhaben bestellt man über eine App einen sportlichen Flitzer oder eine Großraumlimousine, das angeforderte Auto fährt nach wenigen Minuten vor. Nach einer Zeit der Eingewöhnung wird dies vollkommen selbstverständlich erscheinen. So wie wir den Wasserhahn aufdrehen und dabei nicht darüber nachdenken, dass wir ja keinen eigenen Brunnen haben.

Artikel vom   12. Oktober 2017
Speichern Abbrechen
Ähnliche Artikel