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Roboter im Alltag – ein Überblick

von Peter Kusenberg

Wird sich der Mensch der näheren Zukunft von Robotern im Alltag bedienen lassen? Ein Überblick über die neuen intelligenten Staubsauger, sprechende Klosetts und selbstfahrende Fensterwäscher.

In den 1950er Jahren herrschte die gemeinplätzige Vorstellung, dass in der folgenden Generation kluge und belastbare Roboter dem Menschen im Alltag zur Hand gehen würden, beim Einkaufen, beim Saubermachen und sogar bei der Befriedigung erotischer Gelüste. In der Praxis tauchten menschenförmige Maschinen nur als Statisten in Film und Fernsehen auf, nicht selten in Gestalt der bösartig gewordenen Maschine, etwa beim Aufstand der Roboter im Spielfilm „Westworld“ oder als smartes, doch urböses Roboter-Haus im Film „Des Teufels Saat“. Erst im vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich echte Roboter langsam einen Platz in Nischen der digitalen Unterhaltung, in der Industrie, der Logistik und im Haushalt erkämpft.

Roboter ohne Gesicht

Dabei handelt es sich meist um Roboter, die höchst unmenschlich wirken. Die weibliche Stimme in Smartphones mit iOS- oder Android-Betriebssystem etwa ist im eigentlichen Sinne ein Roboter, also eine Maschine, die bestimmte Arbeiten für den Menschen erledigt. Das Wort stammt aus der modernen tschechischen Literatur und verweist auf einen Fronarbeiter, also einen unfreien, dienstbaren Menschen. Gemäß dieser Definition sind die Saug- und Wischroboter echte Roboter, denn in ihren Chips sind Programme gespeichert, die eine clevere Reinigung von Teppichen und Böden gewährleisten. Dabei meiden die Wischroboter automatisch Hindernisse oder merken sich zumindest, wann und wo im Raum sie gegen ein Stuhlbein oder einen Kühlschrank gestoßen sind. Gleiches gilt für die Scheibenwischroboter, die das Glas in mehreren Durchgängen reinigen, indem sie es zunächst befeuchten, dann Seife auftragen und am Ende trocken wischen.

Gesundheitsanalyse auf dem Klo

In wohlhabenderen japanischen Haushalten sind sprechende Klosetts eine Selbstverständlichkeit, dort befinden sich Föhn, Bidet-Düsen und eine ganze Soundanlage in der Kloschüssel, zusätzlich erfreut sich der Klositzer über eine Soundanlage, Beleuchtungssysteme sowie eine Stimme, die über die ausgeführten Arbeiten informiert. Mitunter ist gar die Klobrille beheizt, doch die Messung des Urins hinsichtlich des Gehalts schädlicher Stoffe ist noch kein Standard-Element in der Ausstattung derartiger Roboter-Aborte. Minder luxuriös wirkt ein intelligentes Patientenbett, eher zweckmäßig. Solche Betten pflegen automatisch die Lehne zu verstellen und vermeiden durch regelmäßige Bewegungen, dass der möglicherweise gelähmte Patient zu lange in einer Position verharrt. Bei allzu langer Bewegungslosigkeit ruft das Bett eine Betreuungsperson. Gemäß einer Studie im Auftrag des Branchenverbands Bitkom wünscht sich jeder siebte Bundesbürger eine intelligente Matratze, „die automatisch Alarm schlägt, wenn es Auffälligkeiten im Schlafverhalten gibt“.

Amazon Echo und Kinect - Roboter im Alltag

Doch selbst die Gesunden lassen sich gern von Robotern päppeln. Besitzer der Spielkonsole Xbox One lassen sich von der Kamera und dem Mikrofon des Kinect-Zusatzgeräts identifizieren, via Sprachbefehl kann man die Konsole in den Ruhemodus versetzen – oder aufwecken. Amazon vertreibt in den USA den Amazon Echo, einen zylinderförmigen Lautsprecher mit integrierten Mikrofonen. Auf den Zugruf „Alexa!“ empfängt das Gerät Befehle und lauscht sogar beiläufig gesprochenen Dialogen. In Amazons Rechenzentren findet die Analyse der Sprachschnipsel statt und führt im Idealfall dazu, dass Alexa persönliche Nachrichten vorliest, die Wettervorhersage übermittelt und Einkäufe im Amazon-Shop durchführt. Zudem spielt sie Musik ab und schlägt Begriffe in der Wikipedia nach.

Doch es menschelt

Dass die meisten Nutzer derartige intelligente Betten, Klosetts und Lautsprecher-Rollen nicht als Roboter wahrnehmen, liegt in ihrer nicht-menschlichen Gestalt begründet. Doch es gibt einige Hersteller, die ihre computergestützten Helfer auf ähnliche Weise Gestalten, wie es die Menschen der 1950er Jahre erwarteten. Die Firma WowWee verkauft den Miniroboter MiP, der tanzt, schmollt und scherzt. Das rund 20 Zentimeter hohe Wesen fährt auf Rädern durch die Wohnung, wobei der Nutzer ihn via Smartphone-App steuert. Der reine Unterhaltungswert des Geräts mindert nicht seinen Reiz, ebenso wenig beim Sphero-Ball der gleichnamigen US-Firma. Der Sphero genannte Ball lässt sich mit dem iPhone durch die Wohnung steuern, Dutzende Spiele- und Lern-Apps erweitert das Einsatzgebiet des Billard-Kugel-kleinen Geräts. Es verändert seine Farbe, kann flitzen und um die eigene Achse rotieren. Insbesondere Sphero-spezifische Merk- und Reaktionsspiele machen Spaß, alternativ ärgert man einfach die Katze damit. Ein kostspielerischeres Haustier sind Sonys Aibo-Roboter, die sich in Japan großer Beliebtheit erfreuen. Die hundeförmigen Wesen sind lernbegierig und können verhältnismäßig komplexe Aufgaben erledigen, etwa an Aibo-exklusiven Fußballmatches teilnehmen.

Zahnbürsten mit App

Die vielleicht merkwürdigsten Roboter treten als Zahnbürsten auf. Die Firma Braun verkauft ihre Black Pro 7000 als intelligente E-Zahnbürste, die via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden ist und über die ideale Zahnputz-Technik informiert. Auf Fans klassischer Blechmänner à la Bender aus der Zeichentrickserie „Futurama“ wirken solche monofunktionalen Roboter enttäuschend, doch sie demonstrieren anschaulich, dass sich die Roboter der näheren Zukunft ohne Aufhebens die elektrischen Alltagsgegenstände übernehmen und sich, wie im Falle der Black Pro 7000, nur wenige Zentimeter entfernt vom Hirn des Menschen einen Platz suchen.

Artikel vom   01. September 2015
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