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Robo-Advisor: Anlageberatung per Mouseklick

vonFranziska Wischmann

Eine neue Geldanlage-Methode nimmt auch in Deutschland an Fahrt auf: Robo-Advisor, also Computeralgorithmen, ersetzen die persönliche Anlageberatung. Was wir erwarten können, erklärt ein Finanzexperte.

Die Digitalisierung hat auch die Wirtschaft erreicht. In die Lücke zwischen DIY-Börsenspekulation und persönlicher, aber vergleichsweise teurer Anlageberatung stoßen so genannte Robo-Advisor. Das sind Online-Vermögensberatungen, die grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip gestrickt sind: Nicht Anlageberater geben persönliche Empfehlungen ab, sondern Computerprogramme treffen die Entscheidungen. In den USA heißen die großen Player Betterment und Wealthfront, in Deutschland sind es Anbieter wie easyfolio und vaamo. Aber auch Banken versuchen, in diesen Markt hineinzustoßen und mit Online-Angeboten attraktiv zu bleiben.

Die Strategie dahinter: Wie viel Geld wir anlegen wollen und mit welchem Risiko, entscheiden wir zwar noch selbst. Den Rest erledigen Algorithmen. Algorithmen sind Mathematik. Es wird verständlicher, wenn man die Mathematik als Sprache versteht, als Sprache der Maschinen. Algorithmen haben kein Bauchgefühl, keine persönlich motivierten Interessen, sie kennen keine Gier. Mit Algorithmen ist die individuelle Zusammensetzung eines Aktienportfolios simple Mathematik.

Wie funktioniert die Maschinerie dieser Robo-Advisor? Der genaue Ablauf ist schnell erklärt: Potentielle Kunden registrieren sich auf einer Online-Vermögensberatung und durchlaufen einen Fragebogen-Test, der ein bisschen an Partnervermittlungs-Agenturen erinnert. Im Grunde beinhaltet der Test drei wichtige Kernfragen:

  • Wie hoch ist der gewünschte Sparbetrag? 
  • Wie lange will man sein Geld anlegen? 
  • Welche Risikobereitschaft bringt man mit?

Auf Basis von Erfahrungswerten errechnen Algorithmen dann das optimale Portfolio. Der Computer legt das Geld automatisch an und informiert den Kunden, wenn aufgrund großer Schwankungen Kurskorrekturen notwendig werden. Das heißt dann: Rebalancing.

Über Potential und Grenzen dieser Anlageform haben wir mit dem Portfolio-Manager Dr. Olaf Hein, Vorstand der Elbstein Aktiengesellschaft, gesprochen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung dieser Robo-Advisor?

Für den durchschnittlichen Anleger ist das aus meiner Sicht ein vielversprechendes und durchaus sinnvolles Anlagekonzept. Allerdings: So ganz neu ist das Zurückgreifen auf Algorithmen im Finanzmarkt auch wieder nicht. Schon seit Jahren ziehen insbesondere Hedgefonds bei der Beurteilung ihre Anlagen und deren Risiken Computer-Analysen hinzu. Der Vorteil liegt auf der Hand. Algorithmen können viel schneller riesige Datenmengen überwachen und auswerten, als es ein Mensch je könnte.

Welche weiteren Vorteile ergeben sich daraus?

Bei der computerbasierten Anlage, die ganz auf die persönliche Beratung verzichtet, fallen praktisch keine Kosten an. Traditionell sind Beratungs- und Depotgebühren tatsächlich der größte „Renditekiller“ für den Anleger. Sie können schnell bei jährlich 2 % bis 3 % liegen, insbesondere wenn man die Agios der diversen hauseigenen Bank-Produkte einrechnet. Und man kann sich ja auch nicht sicher sein, ob der Bankberater immer genau weiß, was das Richtige ist.

Ist das Vertrauen in die persönliche Anlageberatung erschüttert?

Grundsätzlich würde ich das so nicht sagen. Aber eine größere Skepsis ist seit der Bankenkrise deutlich zu spüren. Und nicht ganz zu Unrecht: Wer für eine Bank arbeitet und Anlagen empfiehlt, muss primär auf hauseigene Produkte zurückgreifen und bekommt dafür häufig noch Provisionen vergütet. So sind Zweifel angebracht, ob man bei seiner Hausbank von einer unabhängigen Beratung ausgehen kann.

Also Vorteil für die Algorithmen?

Ja, das Potential liegt neben den Kostenvorteilen tatsächlich auch in der Neutralität. Alles, was Menschen fehlbar macht, entfällt: Ein Computerprogramm verfolgt keine persönlichen Interessen, muss keine hauseigenen Produkte loswerden und bietet dafür große Mengen an Optionen. Das ist für viele Anleger, die neu auf dem Markt sind, weniger Erfahrung haben und Orientierung suchen, sicherlich hilfreich. Attraktiv ist auch, dass es keine Mindesteinlagen gibt und das Geld auch für kurze Zeit angelegt werden kann.

Für erfahrene Anleger weniger interessant?

Die künstliche Intelligenz ist immer nur so gut wie der Mensch, der sie entwickelt hat. Die Asset-Klassen der Computerprogramme bestehen aus Standardprodukten, die für den durchschnittlichen Anleger zweifellos gut geeignet sind. Dazu gehören zum Beispiel so genannte ETFs. Ein ETF ist ein synthetisches Anlageportfolio, das bestimmte Indices oder Asset-Klassen nachbaut. Im EFT-Portfolio „Internationale Autowerte“ sind zum Beispiel börsennotierten Autohersteller und die führenden Zulieferer vereint. Vergleichbares gilt für Ölwerte oder die »Emerging Markets«. Der Trend geht weg von der Einzelanlage hin zu Index-Investitionen. Der Trend lässt sich weltweit beobachten und hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht.

Und ist das nun gut oder schlecht?

Weder noch. Man muss nur wissen, was man bekommt. Und das sind bei synthetischen Produkten eben tendenziell globale, pauschale Anlagekonzepte. Man kann keine kreativen, auf individuelle Interessen zugeschnittenen Portfolios erwarten. Und auch die Renditen pendeln sich bei solchen Massenanlagen, denen viele folgen, naturgemäß im mittleren Bereich ein. Aus der Vogelperspektive betrachtet, sind diese Roboter-Apps guter Durchschnitt, attraktiv vor allem durch ihre Kostenstruktur, die für sich schon renditeerhöhend ist. Das ist ein bisschen wie Essen im Fastfoodrestaurant. Alle werden preiswert satt, aber eine Gourmetküche sieht anders aus und Geschmacksexplosionen sind nicht zu erwarten.

Mal ganz persönlich gefragt: Würden Sie Ihr Portfolio von einer Robo-App verwalten lassen?

Gute Frage, würde ich aber eher nicht. Für den erfahrenen und besonders informierten Portfolio-Manager sollte es möglich sein, langfristig Ergebnisse oberhalb der durchschnittlichen „Robo-Performance“ zu erzielen, was aber zweifellos eine echte Herausforderung ist..

Artikelvom  28. April 2016
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