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Pokémon Go: Warum ich in nur zwei Tagen schon so viel gewonnen habe

Wie ein Augmented-Reality-Spiel die Welt verbessern kann

von Sandra Schink

Pokémon Go ist der neue Hype, an dem selbst Menschen ohne Spieltrieb kaum vorbei kommen. Fünf Gründe, warum wirklich jeder gewinnen kann.

1. Pokémon Go aktiviert besser als jeder Fitnesstracker

Ich bin ein Couchpotatoe. Berufsbedingt habe ich in den letzten Monaten diverse Fitness-Tracker, -Gadgets und -Apps getestet und hoffte, dass ich mich durch das Zählen von Schritten und Kalorien zu mehr Bewegung motivieren kann. Das hat leider nicht geklappt. Nach dem Testen der Funktionen war die Motivation schnell wieder weg. Ziellos durch die Gegend laufen oder radfahren um des Radfahrens willen geekt mich einfach nicht an. In den Fitnesscommunities zuzusehen, wie meine sportlicheren Freundinnen und Freunde ein Ziel nach dem anderen erreichen, hat mich eher demotiviert.

Mit Pokémon Go kann ich es kaum erwarten in die Mittagspause zu kommen und zumindest mal um den Block zu gehen und PokéStops abzugrasen um neue PokéBälle und Items zu sammeln - und den einen oder anderen Pokémon zu fangen. Früher hab ich mittags öfter am Schreibtisch gesessen und dort gegessen oder bin höchstens mal zum Imbiss nebenan gekommen. Das ist für eine Mittagspause höchst ineffektiv und auch noch ungesund. Das ist jetzt Vergangenheit.

2. Mit Pokémon Go lerne ich die Geschichte und Sehenswürdigkeiten meiner Nachbarschaft kennen

Ich lebe seit fünf Jahren in meinem Viertel. Wandsbek ist ein äußerst unaufgeregter Stadtteil in Hamburg, nicht hip, nicht alternativ, nicht künstlerisch, nicht jung oder alt, einfach sehr normal. Ich habe mich hier tatsächlich nie besonders interessiert umgesehen. Dank Pokémon Go entdecke ich durch die an speziellen Orten stationierten PokéStops plötzlich viele Hinweise auf die Geschichte des Viertels, zum Beispiel durch Stolpersteine, die ich sonst übersehe, Gedenktafeln, die darauf hinweisen, dass der Stadtteil im Krieg sehr zerstört wurde, versteckte Kunstwerke und kuriose Objekte. Interessant ist es auch, spezielle Graffitis zu entdecken: Nicht nur die gut sichtbaren, die man zum Beispiel jeden Tag an der S-Bahn-Station sieht, sondern auch unter Eisenbahnbrücken versteckte, an die man sonst eher achtlos vorbei gelaufen ist. 

Da für die App die PokéStops zum großen Teil aus dem Augmented-Reality-Spiel Ingress übernommen wurden, bei dem viele Stops von Spielern angelegt worden sind, findet man häufig gute Erklärungen zu einem bestimmten Stop. Neue PokéStops können bei PokémonGo-Entwickler Niantic beantragt werden: Auf der Support-Seite kann der Punkt "Report an issue with a Gym or PokéStop" ausgewählt werden, und im Kontaktformular wählt man unter "Reason" den Punkt "How do I create a new PokéStop or Gym." In diesem Formular können alle Informationen zu einem gewünschten PokéStop untergebracht werden. Ob sie dann wirklich angelegt werden, ist aber nicht sicher.

3. Mit Pokémon Go ständig neue Leute kennenlernen

Es ist wirklich erstaunlich, aber so schnell habe ich in wenigen Tagen noch nie so viele gut gelaunte Menschen einfach auf der Straße kennengelernt. An PokéStops, Arenen und in Parks kommt man besonders häufig ins Gespräch. Ganze Gruppen von Menschen, die sich vorher untereinander nicht kannten, flanieren gemeinsam durch die Straßen und teilen sich auf, um zum Beispiel einen seltenen Pokémon wie Pikachu einzukreisen, sich über Kampfstrategien in den Arenen zu unterhalten, oder einfach zu fragen, in welchem Team (Rot: Wagemut, Blau: Weisheit, Gelb: Intuition) man sich befindet, oder um neue Mitglieder für das eigene Team anzuwerben.

Selbst Menschen, die selbst noch gar nicht spielen, werden auf die Spieler aufmerksam: Mein Sohn und ich wurden heute von einem älteren Ehepaar angesprochen, während wir beide in unsere Smartphones schauten und versuchten, einen Pokémon zu erwischen. Aus der zunächst ironischen Frage, ob wir uns nun gegenseitig SMS schicken würden, entstand ein interessantes Gespräch über das Spiel, und zum Schluss waren auch diese älteren Herrschaften sehr interessiert und wollten ihre Enkel dazu befragen, um mit ihnen gemeinsam spielen zu können. Damit kommen wir zum 4. Punkt:

4. Pokémon Go ist ein Freiluft-Familien-Spiel

Das letzte mal bin ich mit meinem inzwischen 16jährigen Sohn so lange begeistert spazieren gegangen, als er noch im Kinderwagen lag. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass danach jemals von ihm der Vorschlag gekommen sei, gemeinsam mit mir spazieren zu gehen. Jetzt sind wir mit Spaß gemeinsam unterwegs und stacheln uns an, noch einen Häuserblock mehr mitzunehmen, im Park nochmal die andere Ecke zu inspizieren und gemeinsam einkaufen zu gehen.

Wir haben viel Spaß dabei, amüsieren uns über andere Spieler, denen wir begegnen, informieren uns über die neusten Pokémon-Tipps, die wir im Internet finden. Und natürlich kämpfen wir im gleichen Team: Blau!

5. Teambuilding unter Kollegen und Freunden

Es gibt keine strategische Relevanz, ob man sich im roten, blauen oder gelben Team befindet - aber es verbindet, lockert die Stimmung und führt zu gemeinsamen Freiluftaktivitäten. In Unternehmen finden sich verschiedene Teams zusammen, um gegeneinander anzutreten und sich gegenseitig regelmäßig die Arenen in der Nähe des Firmensitzes abzujagen, oder um als großes Team die Arenen dauerhaft zu besetzen. Freunde treffen sich vor dem Grillen jetzt zur gemeinsamen Pokémon-Jagd und um Arenen zu erobern.

Aber egal ob man zu den besten Spielern mit den größten Pokémons gehört: Der Spielspaß tut uns viel Gutes und macht einfach viel Freude.

Tolle Einsteigertipps zu Pokémon Go haben die Kollegen von Computerbild zusammengestellt.  Und wenn Ihr selbst noch Tipps habt: Immer her damit. Und ich geh jetzt nochmal schnell raus. Wir sehen uns

Foto: Malte und Matthieu haben sich heute an einem PokéSpot in Hamburg-Wandsbek kennen gelernt, an dem ein anderer Spieler ein Lockmodul aktiviert hatte. Echte Pokémon-Spieler kann auch ein bisschen Regen nicht aufhalten. 

Artikel vom   14. Juli 2016
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