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Pantaflix: Endlich grenzenloses Filmstreaming

von Lena Ingers

Die Filmstreaming-Plattform von Schauspieler Matthias Schweighöfer will das Kinogeschäft revolutionieren. Wie stehen seine Chancen?

Fernsehzeitschriften haben es schwer in diesen Tagen. Und zwar nicht nur, weil man das Fernsehprogramm natürlich auch online abrufen kann, sondern weil Sendezeiten längst keine Rolle mehr spielen. Mit Hilfe der Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender und Filmstreaming-Diensten stellen sich die Nutzer ihr Programm ganz einfach selbst zusammen. Auf Maxdome, Amazon Prime, Netflix und Co. kann man Blockbuster ganz ohne Werbeunterbrechnung genießen. Die Flatrates verleiten zu Film- und Serienmarathons am Wochenende. Für eine Monatsgebühr von acht Euro bekommt der Kunde nahezu unbegrenzte Unterhaltung direkt nach Hause.

Der junge Filmstreamingdienst Pantaflix aus Deutschland hingegen setzt offenbar auf Klasse statt Masse. Im Angebot finden sich vor allem Dokus, Arthouse- und Indie-Produktionen aus aller Welt. Man kann sich die Filme für drei bis fünf Euro ausleihen und zu Hause streamen. Erfunden hat das Portal niemand geringeres als Schauspieler, Produzent und Regisseur Matthias Schweighöfer. Zusammen mit dem erfolgreichen Filmproduzenten Dan Maag hat der blonde Wunderknabe, den man aus aus Komödien-Kassenschlagern wie „Der Nanny“ und „Vaterfreuden“ kennt, ein ehrgeiziges Ziel vor Augen: Pantaflix soll das Filmgeschäft revolutionieren.

Wie Filmstreaming eine ganze Branche umkrempelt

Das Portal will neue Wege gehen, was Filmverwertung und Lizenzrecht angeht. Bisher läuft es nämlich so: Bevor ein Film beim Publikum ankommt, halten jede Menge Leute die Hand auf. Wer zum Beispiel einen Film irgendwo öffentlich zeigen will, egal ob im Kino oder auf einer Online-Plattform, muss zuerst eine Lizenz dafür erwerben.

Für Streaminganbieter wie Netflix, die in zig Ländern auf der ganzen Welt verfügbar sind, ist der internationale Handel mit Filmrechten besonders teuer und tricky. Denn Film- und Serienrechte werden in der Regel in einzelnen Ländern oder Territorien verkauft. Das heißt, für ein und denselben Film müsste Netflix in jedem Land eine neue Lizenz erwerben. Das machen die Anbieter natürlich nur, wenn die Rechnung aufgeht, also wenn ein Film das Zeug zum globalen Kassenschlager hat. Filme von nationaler Bedeutung (also alles, was nicht Hollywood ist) lassen sie links liegen oder zeigen sie eben nur in dem Land, wo das Kernpublikum lebt.

Das Geschachere um Lizenzgebühren verhindert also auch, dass die meisten deutsche Filme überhaupt auf legalem Wege im Ausland zu sehen sind. Laut Pantaflix sind sogar 90 Prozent aller jährlich produzierten Filme außerhalb der Heimatmärkte nicht abrufbar.

Das System hat einen weiteren Haken: Während die Rechtehändler fleißig mitverdienen, bleibt bei den Filmschaffenden kaum etwas vom Kuchen übrig. Gerade mal zehn Prozent kommen bei den Machern an. Den Rest der Einnahmen streichen Kinobetreiber und Plattformen, Vertriebe und Filmverleiher ein.

Pantaflix will die Mittelsmänner der Branche ausschalten und so dafür sorgen, dass mehr Geld bei den Produzenten und Filmemachern, also bei Menschen wie Maag und Schweighöfer selbst, hängen bleibt. Wer sein Werk bei Pantaflix hochlädt, dem verspricht das Startup 75 Prozent der Einnahmen. 25 Prozent streicht die Plattform selbst ein. Außerdem gibt Pantaflix den Rechteinhabern die Kontrolle über den Vertrieb zurück. Der Filmproduzent kann nämlich selbst bestimmen, in welchem Land seine Filme zu sehen sein sollen.

Gegen den Marktführer Netflix hat Pantaflix wenig Chancen

Als Zielgruppe hat Pantaflix Auswanderer im Blick, die meist auf Filme aus ihrer Heimat verzichten mussten. Tatsächlich ist das ein Nischenmarkt, den Netflix und Amazon Prime noch nicht bedienen. Die haben dafür ihren eigenen Weg gefunden, um teure Lizenzgebühren zu umgehen: Sie produzieren einfach ihre eigenen Serien – und das sehr erfolgreich. Serien wie „Transparent“, „House of Cards“ und „Narcos“ räumten einige bedeutende Film- und Fernsehpreise ab und dienen den Streamingplattformen als Aushängeschilder im Wettbewerb um Abonennten.

So ist übrigens auch die Thriller-Serie „You are wanted“ mit Schweighöfer in der Hauptrolle entstanden: als eine Auftragsproduktion von Amazon. Was das neue Video on Demand-Geschäft angeht, wissen die beiden also, wie der Hase läuft. Und wohl aus gutem Grund legen sie es nicht darauf an, Pantaflix gegen die Blockbuster-Bringer Netflix und Amazon aufzustellen. Stattdessen spricht Pantaflix Expats im Ausland und Cineasten an, die gerne über den Tellerrand schauen und Filmemacher bei ihrer Arbeit unterstützen wollen. So gesehen ist Pantaflix vielleicht nicht besser als Netflix (vom Angebot her), aber das bessere Netflix in seiner Mission.

Artikel vom   21. Juli 2017
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