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NFC: Bezahlen mit dem Smartphone

vonPeter Kusenberg

In zahlreichen Supermärkten, Eiscafés und an S-Bahn-Automaten dürfen wir inzwischen Salatgurke, Cappuccinos und unsere Fahrkarte via NFC zahlen. Was bedeutet das eigentlich?

NFC steht für Near Field Communication, also Nahbereichs-Kommunikation. Die vom gemeinnützigen NFC-Forum standardisierte Technik erlaubt es, unabhängig vom Betriebssystem digitale Daten von einem aufs andere Gerät zu übertragen. Die beiden Geräte dürfen sich nicht weiter als zehn Zentimeter voneinander entfernt befinden, was übelsinnige Mitmenschen davon abhält, den Datentransfer auszuspionieren oder zu stören. Die Übertragung erfolgt mittels induktiver Kopplung in Hochfrequenz, wobei die Übertragungsraten verglichen mit den etablierten Techniken Bluetooth und W-LAN relativ gering sind.

Der Empfänger der Anfrage heißt NFC-Target oder NFC-Tag (gesprochen: Täg) und befindet sich in der Regel in einem mobilen Gerät. Im Großhandel wird die Technik seit Jahren für die Waren-Logistik eingesetzt. Endkunden kommen mit NFC in Berührung, wenn sie kleine und mittlere Rechnungen an diversen Verkaufsstellen begleichen, etwa an der NFC-kompatiblen Kasse eines Ladens. Dazu setzt man eine Zahlungssoftware ein, etwa Apple Pay beim iPhone, Google Wallet bei Android-Systemen und MyWallet bei der Telekom. Die Software muss auf dem jeweiligen Smartphone installiert sein, andernfalls funktioniert die NFC-Zahlung nicht.

Ganz schön kompliziert

Im Gegensatz zur bewährten Zahlungsmethode via EC-Karte hat sich NFC deshalb nicht im Mainstream durchgesetzt. Die wenigsten Menschen verstehen die Funktionsweise der Technik, sie misstrauen deren Verlässlichkeit oder können sie wegen unzureichender Hardware-Ausstattung nicht nutzen. Denn um via NFC den Mitnahme-Kaffee zu bezahlen, muss erstens der Mitnahme-Kaffee-Verkäufer ein lizensiertes NFC-Terminal besitzen, zweitens benötigt man als Käufer notwendigerweise ein NFC-fähiges Gerät, idealerweise ein Smartphone. NFC-fähig sind die meisten neuen Modelle der vergangen drei Jahre. In der Modell-Beschreibung prahlt der Hersteller gern mit der NFC-Fähigkeit, verheißt sie doch das Einkaufen ohne Kleingeld.

Wer ein NFC-fähiges Gerät besitzt, kann es für Micropayment einsetzen. Stehen Sie also in einer ALDI-Nord-Filiale an der Kasse und sehen dort das NFC-Logo prangen, so bittet die Verkäuferin, die Waren mit dem Smartphone bezahlen zu dürfen. Dazu halten Sie das Gerät an den NFC-Sensor der Kasse. Der Zahlungsvorgang erfolgt nur dann, wenn Sie zuvor einen jener digitalen Bezahldienste aktiviert haben, etwa Vodafones SmartPass, Base Wallet, oder den MyWallet-Dienst der Telekom. Diese Dienste sind anfangs kostenfrei, nach einer Einführungsphase müssen Sie bei einigen Anbietern monatliche oder jährliche Gebühren zahlen. Bei der Telekom sind's moderate 99 Cent pro Monat, ähnliches gilt für Vodafone, wenn der Vorjahres-Umsatz mittels SmartPass bei weniger als 600 Euro lag.

Update-Hinweis 20.06.2016: Der Service Base Wallet wird per 30.06.2016 als Dienst ersatzlos gestrichen und damit eingestellt. Aber auch die Telekom-Lösung MyWallet hat es erwischt: Ende 2015 wurde angekündigt, dass ebenfalls zum 30.06.2016 keine Bezahlung an NFC-Kassen möglich sein wird. Man wolle aber mit der Targobank sprechen, um eventuell Telekom-Kunden das mobile Zahlen per Handy weiterhin zu ermöglichen.

NFC: Auch in der Vorbereitung alles andere als einfach

Haben Sie die mitunter nervenaufreibenden Formalitäten bei der Einrichtung der jeweiligen virtuellen Geldbörse erledigt, ist der Geldtransfer an der ALDI-Kasse eine Sache von Sekunden. Man überprüft den Betrag, bestätigt ihn auf dem Display seines Smartphones, dann erfolgt die Zahlung über die bei Vodafone, bei der Telekom oder bei Telefonicá (Base) hinterlegten Kreditkarte. Alle Zahlungen können Sie in Form von monatlichen Belegen der Mobilfunkanbieter überprüfen. Alternativ kann man auch ein Lastschriftverfahren nutzen oder in Vorleistung gehen, ähnlich wie bei einer Prepaid-Karte fürs Handy.

NFC lässt sich nicht allein zum Bezahlen einsetzen. Manche Hersteller behaupten, die Verbindung zu einem kabellosen Kopfhörer gelänge damit ebenso gut. In der Praxis erweist sich dieses Versprechen als trügerisch, denn selten gelingt eine Verbindung zwischen NFC-Smartphone und NFC-Kopfhörer. Und selbst wenn's gelingt, ist die Verbindung meist alles andere als labil. Für den Zweck des kabellosen Musikhörens sollte man definitiv Bluetooth den Vorzug geben. Hinsichtlich der Bezahlung von Cappuccinos im Café oder Eishörnchen in der Eisdiele erweist sich NFC als praktisch, insofern man die umständliche Registrierungsprozedur über sich hat ergehen lassen. Vermeiden lässt sich das nicht, auch die Beantragung einer gewöhnlichen Kreditkarte oder die Einrichtung eines Paypal-Kontos erfordert Geduld. Denn hier geht’s um die Sicherheit des Zahlungsverkehrs, den Kriminelle liebend gern abfangen und für ihre Zwecke umleiten würden. Wundern Sie sich übrigens nicht, wenn Ihnen eine ALDI-Kassiererin erklärt, sie habe noch nie eine NFC-Zahlung erhalten und müsse noch einmal in ihre Unterlagen schauen. Denn das Bezahlen via NFC dauert erfahrungsgemäß länger als jedes noch so ausgiebige Kramen im Kleingeldfach des Portemonnaies.

Unser Rat

Angesichts der Tatsache, dass sich mobiles Zahlen per Smartphone zwar smart anhört, in der Praxis eine Verbreitung nur sehr zäh vorankommt, die Registrierung kein Klacks ist, sogar ganze Bezahldienste einfach so eingestellt werden, sollte man sich dessen von vornherein bewusst sein. Es ist eine Art technisches Abenteuer, da es weitestgehend an Standards fehlt. Vielversprechend aber noch in den Kinderschuhen steckend.

Artikelvom  20. Oktober 2015
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