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Neue Apps zum Abschalten

vonFranziska Wischmann

Neue Apps werden entwickelt, die einen abschalten lassen. Interessant: Die Gegenbewegung zur ständigen Erreichbarkeit entsteht im Epizentrum des technologischen Fortschritts, in Silicon Valley.

Wir leben in einer Zeit, die uns mit Informationen und Meinungen, mit Lärm, Erregung, Konflikten und Krisen überflutet. Kaum eine Chance, sich zu entziehen. Das liegt daran, dass wir ständig „on air“ sind und uns der Quelle der Überreizung, den digitalen Kanälen, mehr oder weniger freiwillig ausliefern. Gern rund um die Uhr.

Das soll sich ändern: Laut Prognosen des Zukunftsinstituts wird der Wert der Achtsamkeit in den nächsten Jahren eine zentrale Rolle einnehmen. Schon jetzt beobachten Zukunftsforscher, dass die Achtsamkeit in einigen Großkonzernen „mit Mail-Zwangspausen für Mitarbeiter in der Mitte der Wirtschaft angekommen“ zu sein scheint. Und sie empfehlen tatsächlich, dass wir uns lieber „besinnen“ sollten, statt uns praktisch permanent an dieser Kommunikationsflut zu beteiligen.

Atmen statt appen

Im Calming Technology Lab, das zu der Stanford University gehört, haben Forscher unter Hochdruck daran gearbeitet, Erkenntnisse aus Stressforschung und Psychologie in neue technische Anwendungen fließen zu lassen. Ergebnis? Ein neuer Atemsenor namens Spire zum Beispiel, den man sich an den Gürtel klemmt, beginnt zu brummen, wenn der Atemrhythmus in ungesunde Bereiche fällt. Die App signalisiert: Mach mal Pause, entspanne dich und atme! „Die Atmung ist tatsächlich ein Indikator, wie gut es uns geht,“ erklärt Prof. Christoph Bamberger vom Medizinischen Präventions-Centrum in Hamburg. „Je gestresster wir sind, desto flacher atmen wir.“

Beruhigen mit Buddha

Immer mehr Start-ups entwickeln Apps und Wearbles, die am Körper getragen, für Gesundheit und Wohlergehen sorgen sollen. Ob die elektrische Spannung der Haut, der Herzschlag, die Schrittzahl pro Tag oder unsere Gehirnwellen – alles lässt sich inzwischen von Sensoren messen und in klare Verhaltens-Empfehlungen umwandeln. Der Tenor geht auch hier in die Richtung gesunder Selbstwirksamkeit und Anti-Stress-Philosophie, die sehr an die New-Age-Bewegung vergangener Jahrzehnte erinnert: Damals wie heute scheinen Zen-Buddhismus und Meditation wirklich das Mittel der Wahl zu sein, um sich erfolgreich zu beruhigen und entspannen.

Gute-Laune-App

Wie eng subjektives Wohlbefinden mit persönlichen Stimmungen zusammenhängt, ist nicht nur ein interessantes Feld, das die Licht-Industrie entdeckt hat. Sie kreiert Szenarien, die mit Farben und Beleuchtungsstärken bestimmte Stimmungen hervorrufen sollen. Intensiv wird an neuen Technologien geforscht, wie man die Psyche noch weiter positiv beeinflussen kann. Mit Gute-Laune-Apps, die durch die Stimulation von Sinneseindrücken, etwa dem Geruchs- oder Gehörsinn, funktionieren. Vielleicht sollte man aber öfter mal einfach die Laufschuhe anziehen und durch den Wald laufen. Viele Apps orientieren sich an der Natur und arbeiten mit Vogelzwitschern, Blätterrauschen und dem Geruch von frischen Tannenzapfen.

Artikelvom  25. Januar 2016
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