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Neue Apps gegen Schnarchen

von Peter Kusenberg

Schnarchen beeinträchtigt das Wohlbefinden und kann gesundheitsschädlich sein. Neue Apps tracken die störenden Geräusche. Hilfe zur Selbsthilfe.

Es kann einem den Schlaf rauben und irgendwann den letzten Nerv – lautes Schnarchen. Während es für den Schnarchenden gesundheitliche Folgen haben kann (Schlaf-Apnoe ist ein anderes Wort für temporären Atemstillstand), sind die eigentlich Betroffenen die mehr oder weniger still leidenden Bettgenossen. Angesichts des akustischen Dauerbeschusses auch kein Wunder: Leise Schnarcher konkurrieren mit dem heftigen Brummen eines Kühlschrankes. Laute Schnarcher produzieren Geräusche, die einer „Körperverletzung“ gleichkommen: Gemessene Werte von rund 80 Dezibel entsprechen der Lärmbelastung eines Presslufthammers, Spitzenwerte sogar denen von stark befahrenen Autobahnen. Dieser Lärmterror ist Grund genug, wirklich durchzudrehen, denn dabei kann kein Mitschläfer die nötige Bettruhe und Entspannung finden.

Vor allem Männer sind betroffen

In der Altersgruppe von über 50 Jahren sind 60 bis 80 Prozent der Männer zumindest gelegentlich Schnarcher. Schuld trägt eine Beeinträchtigung der Atemwege. Der Schläfer saugt die Luft stoßweise ein, wodurch sie schnell durch Mund und Nase zur Lunge strömt. Ist das Körpergewebe in Hals und Nase nicht stramm genug, beginnt es zu flattern, was die Schnarch-Geräusche bewirkt. „Bei Übergewicht und im Alter wird das Gewebe schwächer“, sagt der renommierte Psychologe und Schlafforscher Jürgen Zulley. Der emeritierte Professor der Universität Regensburg verfasste viel beachtete Bücher zum Thema Schlafen, unter anderem den lesenswerten Titel Die kleine Schlafschule, der in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftlerin Barbara Knab entstand.

Man sollte auf jeden Fall abklären lassen, ob das Schnarchen temporär auftritt und harmloser Natur ist oder ein sich immer wiederholendes nächtliches Phänomen. Das ist deshalb wichtig, um auszuschließen, ob Schnarchen irgendwann gesundheitliche Probleme verursacht. Bei regelmäßigem und heftigem Schnarchen besteht ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Zudem beeinträchtigt das Schnarchen den Tiefschlaf, und „den Tiefschlaf brauchen wir, um ausgeschlafen zu sein“, erklärt Experte Zulley. Ausbleibender Tiefschlaf führt zur Schwächung des Immunsystems, das Risiko für andere Erkrankungen steigt, der Körper findet nachts keine Erholung.

Diese Apps gibt es schon

Ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung des Schnarchens besteht darin, Schlaf- und Schnarchgewohnheiten richtig einzuordnen und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Das gelingt zum Beispiel mit Geräten wie einer Schnarch-Stopperuhr, die zumindest im Hinblick auf die Dokumentation des Schnarchens hilfreich sein kann. Wesentlich kostengünstiger oder gar kostenlos sind spezielle Apps, die der vermeintliche Schnarcher auf seinem Smartphone installiert. Im Test bewährte sich das Programm SnoreClock von Ralph Schiffhauer, das zuverlässig und platzsparend alle Geräusche während einer Nacht aufzeichnet und in einer Schnarch-Kurve grafisch darstellt. Der Nutzer legt das Smartphone mit der installierten App neben das Bett und drückt den Start-Knopf, bevor er die Nachttischlampe ausknipst und die Augen schließt. Am nächsten Morgen sieht der Schläfer anhand der Kurve, wann genau er wie stark geschnarcht hat.

Noch anschaulicher gelingt die Dokumentation mit SnoreLab von Reviva Softworks. Der Nutzer kann relevante Faktoren angeben, was bei der Langzeitdokumentation Aufschluss darüber geben kann, wann besonders lautes Schnarchen auftritt. Die App lässt sich mit Informationen über die gewählten Antischnarch-Maßnahmen füttern. Dazu zählen zum Beispiel ein Luftbefeuchter im Schlafzimmer, ein Keilkissen für eine vorteilhafte Kopfhaltung, ein Mundstück gegen das Durch-den-Mund-Atmen oder die Einnahme von Schlaföl vor dem Zubettgehen, was die Atemwege weitet. Die Bedienung der SnoreLab-App ist simpel: Vor dem Einschlafen aktivieren Sie die Schlafdokumentation, indem Sie auf den Start-Knopf drücken. Am nächsten Morgen sehen Sie die Schnarchkurve und können zur Spitzenschnarchzeit die aufgenommenen Schlafgeräusche abspielen. So lauschen Sie möglicherweise Ihren Spitzenwerten, die um fünf Uhr morgens durchs Schlafzimmer schallten. Die Daten sollten Sie auf den Computer exportieren und dort in einer Excel-Tabelle speichern und auswerten, was hilfreich ist für eine langfristige Schnarch-Dokumentation. Mancher Schnarcher mag erschrecken, wenn er sich selbst zum ersten Mal schnarchen hört. Doch das Getöse motiviert ihn umso stärker, dem Phänomen den Kampf anzusagen. Im Gegensatz zur Schnarch-Stopperuhr intervenieren diese Apps nicht, sondern dokumentieren die Selbsthilfe-Maßnahmen des Schnarchers. Zulley hält derartige Apps für hilfreich, warnt indes vor anderen „Schlaf-Apps, die nicht den Schlaf, sondern nur Bewegungen erfassen“, da diese keine Rückschlüsse auf die Qualität des Schlafes erlaubten. Die Schnarch-Dokumentations-Apps wie „SnoreLab“ und „SnoreClock“ schaffen durch überzeugende Dokumentation der Schlafgeräusche ein Bewusstsein für die Dauer und Intensität des Schnarchens. Bekanntlich ist das Erkennen der erste und entscheidende Schritt zur Problemlösung, womit sich diese Apps unbedingt empfehlen.

Auch Hausmittel können helfen

Wer sein Schnarchen in den Griff bekommen will, kann es erst einmal mit Hausmitteln versuchen. Dazu gehört warme Milch vor dem Einschlafen, ein angenehmes Ambiente sowie eine ruhige Übergangsphase zwischen Wachen und Schlafen. Zusätzlich können Sie mit Schlaföl gurgeln, Ihren Kopf auf ein spezielles Kissen betten oder Nasenklammern, so genannte Nasenschmetterlinge, einsetzen. Um den Luftstrom durch die Nase zu leiten, schlingen Sie sich vor dem Zubettgehen ein Kinnband um den Kopf oder setzen ein Mundstück ein, das Ihren Oberkiefer fixiert. Die Schnarch-Industrie ist einfallsreich, entsprechend sollten sie zunächst einfache Mittel einsetzen und etwa den Ratschlag Professor Zulleys beherzigen: „Eine lagebedingte Einengung der Atemwege lässt sich am besten in der eingerollten Seitenlage rechts vermindern.". Schlummern Sie also wie das Kaninchen im Bau, statt dem Turbo-Gesäge durch die starre Rückenlage alle Gewebe-Flatter-Tore zu öffnen.

Artikel vom   15. Juni 2016
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