Der Chat ist momentan leider nicht verfügbar

  • ThinkstockPhotos-490617760-slb.jpg

Medizin-Apps: Doktors neue Helfer

von Christian Zeiser

Über 100.000 Medizin-Apps gibt es für Smartphones. Einige von ihnen leisten echte Hilfe, andere sind geradezu gefährlich. Worauf sollten Sie achten?

Daran, unsere Schritte zu zählen, die Herzfrequenz zu überprüfen und unseren Schlaf zu analysieren, haben wir uns längst gewöhnt, Fitness-Armbänder und Smartwatches machen es möglich. Viele Apps gehen aber viel weiter: Nach Eingabe der auftretenden Beschwerden erstellen manche Apps gar eine Diagnose und geben Therapietipps. Diagnosen sollten aber von einem Arzt kommen, nicht von einem Smartphone. Auf keinen Fall sollte man also diese Apps als Ersatz für einen Gang zum Hausarzt betrachten. Manche Apps müssen gar gefährlich genannt werden, wie eine, die vorgibt, anhand eines Fotovergleichs das Hautkrebsrisiko beurteilen zu können. Vor dem Download einer Medizin-App sollte also etwas Recherche stehen.

Besondere Aufmerksamkeit erfordert dabei der Anbieter der App. In den App Stores, allen voran im Googles Play Store, wimmelt es nur so von Apps, deren Ersteller kaum zu identifizieren sind. Bei seriösen Apps sollte klar ersichtlich sein, wer an ihrer Entwicklung mitgearbeitet hat. Waren medizinische Forscherteams beteiligt, möglichst von einer bekannten Universität? Oder hat nur jemand einen schnellen Euro machen wollen und daheim ohne medizinische Vorkenntnisse eine App zusammengeschraubt?

Helfer für bestimmte Fälle

Es gibt durchaus viele sehr spezialisierte Apps, die wertvolle Hilfe bei bestimmten Krankheiten leisten können. So können Diabetiker dank der App MySugr Tagebuch über ihre Blutzuckerwerte führen. Bestimmte Blutzuckermessgeräte schicken ihre Ergebnisse gar gleich per Bluetooth zum Smartphone. Für Ärzte sind langfristige Messwerte wertvolle Daten, die Aufschluss über den Krankheitsverlauf geben. MySugr ist kostenlos für iPhone und Android erhältlich, die „Pro“-Funktionen gibt es aber nur gegen 2,99 Euro pro Monat. Die App BlutdruckDaten bietet zum Beispiel Menschen mit zu hohem Blutdruck Vergleichbares, auch sie empfängt Messwerte von bestimmten Messgeräten mittels Bluetooth und protokolliert deren Verlauf. Menschen mit Heuschnupfen oder allergischen Asthma schließlich können mit Hilfe der App Allergiehelfer jederzeit bestimmen, wie hoch die Konzentration Allergien auslösender Pollen in ihrer Umgebung ist.

Auch Ärzte profitieren

Doch nicht nur Patienten profitieren von Apps, auch Ärzten leisten sie Unterstützung. Die App Arznei Aktuell etwa ist eine Datenbank mit allen 80.000 in Deutschland zugelassenen verschreibungspflichtigen Medikamenten. Sie liefert Informationen zu Anwendungsbereichen, Alternativpräparaten, Dosierungen, Nebenwirkungen, Preisen und mehr. Die App Vergiftungsunfälle bei Kindern des regierungseigenen Bundesinstituts für Risikobewertung listet giftige Stoffe und die dazugehörigen Erstmaßnahmen für den Fall, dass Kinder sich an ihnen vergiften. Da sie außerdem die Nummern der regionalen Giftzentralen kennt, ist die App durchaus auch für Eltern interessant. Die App Preventicus, die mit Hilfe der Smartphone-Kamera und des eingebauten Blitzes Herzrhythmusstörungen erkennen kann, hat sich gar schon bei Ärzten etabliert. Mittlerweile ist sie sogar als Medizinprodukt für das Screening des Vorhofflimmerns zertifiziert. Vorhofflimmern gehört zu den Risikofaktoren für Schlaganfälle, die App kann also auf einfache Art dabei helfen, Schlaganfällen vorzubeugen.

Stellt Preventicus eine Unregelmäßigkeit fest, sollte der nächste Weg allerdings wieder zum Arzt führen. Der überprüft das Ergebnis, etwa mittels eines Langzeit-EKGs. Denn so nützlich viele der Medizin-Apps auch sind: Das letzte Wort muss immer noch der Arzt haben.

Artikel vom   06. September 2017
Speichern Abbrechen
Ähnliche Artikel