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Meditations-Apps zum Abschalten

von Alexander Penzel

Immer mehr Menschen möchten durch Meditation entspannen. Interessanterweise mit Hilfe von Meditations-Apps. Ob sie etwas taugen, erfahren Sie hier.

Wer kennt das nicht? Wir sind nach einem vollen Arbeitstag gerade zu Hause angekommen – da reißt uns das leise Surren des Vibrationsalarms aus unseren Gedanken. Es ist eine Terminerinnerung für ein Meeting am kommenden Morgen. Genauso gut kann es auch ein Freund sein, der uns für ein Konzert begeistern will und sofort eine Antwort erwartet („Die Tickets sind sonst weg!“). Wir sind gefangen zwischen dem Verlangen, endlich abzuschalten und dem Druck, ständig erreichbar sein zu müssen. Die Angst, etwas zu verpassen hält uns davon ab, die so nötige Ruhepause einzuleiten und lässt uns wie gewohnt zum Smartphone greifen. Ein Teufelskreis.

Der Weg aus der Abhängigkeit (denn letztlich ist es eine kleine Sucht) führt nur über eine bewusste Entscheidung: Wer das Smartphone liegen lassen lernen will, muss sich selbst über die Ursachen klar werden. Vielleicht ist es ja so, dass man lieber den ruhelosen Verstand mit neuen Inhalten füllt, als seine innere Unruhe, Überreiztheit und damit den Körper bewusst wahrzunehmen. Ein sehr guter Ansatz, um das zu lernen, könnte zum Beispiel Meditation sein, diese Tiefenentspannungsmethode, die gerade wieder hoch im Kurs steht. Laut einer Statista-Studie vom Januar 2017 meditieren inzwischen 41 Prozent der Deutschen mindestens einmal pro Woche. Eine vielversprechende Zahl.

Der neueste Trend: Meditations-Apps

Entspannung mit dem Smartphone? Ist das nicht ein krasser Widerspruch? Kann das wirklich funktionieren? Eine Studie der Universität Göteborg belegte kürzlich, dass übermäßiger Smartphone- und Computergebrauch zu schlechterem Schlaf, höherem Stressempfinden und einem Anstieg an Depressionssymptomen bei Männern und Frauen führt. Wie also kann der Hauptauslöser unseres Stresses bei dem Abbau von ebenjenem helfen? Wir haben uns drei beliebte Meditations-Apps genau angeschaut. Unsere Einschätzung finden Sie hier.

1. Headspace

Die englische App Headspace des Briten Andy Puddicombe ist in den App-Stores sehr beliebt: Mehr als eine Millionen Downloads zählt sie bereits im Google Play Store. Sie bietet dem Nutzer eine „Take 10“ Serie, in der einem in 10 Sitzungen à 10 Minuten die Achtsamkeitsmeditation näher gebracht wird. Hierbei lenkt Puddicombe die Aufmerksamkeit gezielt auf Körperempfindungen, wie die Atembewegungen. Nach den 10 Eröffnungssitzungen wird der Nutzer aufgefordert, sich über ein Abomodell weitere Kurse mit jeweils circa 10-30 Sitzungen freizuschalten. Headspace bietet als einzige von uns getestete App kürzere Meditationen für Kinder an. Die Sitzungen sind geleitete Meditationen. Das heißt im Fall von Headspace erzählt die Stimme von Herrn Puddicombe mit britischem Akzent, worauf die Aufmerksamkeit in dem Moment zu lenken ist. Menschen, die dem Englischen nicht zu einhundert Prozent mächtig sind, könnten Probleme mit dem Akzent und der Fremdsprache bekommen. Puddicombe springt langsam und wenig esoterisch, allerdings für mich persönlich ein wenig zu oft. Als Gamification-Element zählt Headspace die aufeinanderfolgenden Meditationszeiten und belohnt für Meilensteine. Außerdem können Sie die App mit der von Freunden verbinden, das motiviert langfristig. Des Weiteren lassen sich Erinnerungen an die tägliche Meditation einstellen, was dabei hilft, am Ball zu bleiben. Alleinstellungsmerkmal der App ist das sogenannte „Get some, give some“-Prinzip, bei dem Headspace mit jedem verkauften Abonnement ein weiteres an Bedürftige spendet. Headspace eignet sich so besonders für Personen, die eine wenig esoterische App suchen, der englischen Sprache mächtig sind und eine moderne Herangehensweise an das Thema Meditation suchen.

2. 7Mind – Meditation & Achtsamkeit

Die App 7Mind ist die einzige der von uns gesichteten Apps, die eine geleitete Meditation in deutscher Sprache ermöglicht. 7Mind bietet über ein Aboprogramm, genau wie Headspace auch, Kurse mit geleiteter Meditation zu verschiedenen Themen: Es gibt Kurse zum Thema Stress ebenso wie solche zu den Themen Angst oder Schlaf. Anfangs erlernt der Nutzer in einer kostenlosen 7x7 Einleitung in sieben Sitzungen à 7 Minuten die Grundlagen der Meditation. Neben den Kursen zu den verschiedenen Themen bietet die App auch sogenannte „Jetzt“-Meditationen. Das sind Einzelsitzungen, die auf bestimmte Situationen ausgelegt sind. So gibt es beispielsweise Sitzungen für Pausen zwischendurch und solche für überbordende Emotionen wie Wut, die kurzfristig Abhilfe schaffen. Es gibt drei frei verfügbare Jetzt-Meditationen, der Rest wird nach Abschluss eines Abonnements freigeschaltet. Die geleiteten Meditationen werden in 7Mind vom Gründer und Entwickler der App selbst eingesprochen. Er spricht relativ schnell und für meinen Geschmack zu durchgehend, die Texte wirken bisweilen esoterisch. Nebst den Kursen und Jetzt-Meditationen bietet die App die Möglichkeit einer ungeleiteten Meditation, bei der verschiedene Gongs die Länge signalisieren. Komplettiert wird das Leistungsspektrum der App durch Erinnerungen, eine „Nicht-Stören“-Funktion die das Handy während der Meditation verstummen lässt und einen FAQ-Bereich. 7Mind ist die App für Sie, wenn Sie einen deutschen Einstieg in die Meditation suchen und ein Rundum-sorglos-Paket wünschen.

3. Calm

Die Calm App ist mit über 1 Millionen Downloads im Google Play Store ebenfalls sehr beliebt. Wie in allen von uns getesteten Apps bringt auch diese dem Nutzer zu Beginn die Grundelemente der Achtsamkeitsmeditation näher. Nach diesen sieben Eingangsmeditationen lassen sich per Abonnement weitere Serien freischalten. Von Serien zu Dankbarkeit, über Konzentration bis Glückseligkeit ist alles dabei, was das Herz begehrt. Außerdem bietet die App themenbezogene Meditationen, bei denen die Länge von 3 bis 30 Minuten in Intervallen wählbar ist. Ungeleitete, stille Meditationen, die sich zeitlich individualisieren lassen, komplettieren das Angebot. Alleinstellungsmerkmal der App sind animierte Endlosschleifen, die während der Meditation und im Hauptbildschirm der App spielen. Wer möchte nicht einem tropischen Regenguss, dem knisternden Lagerfeuer oder Vogelgezwitscher während seiner Meditation lauschen? Ich selbst habe mich oft dabei erwischt, in Gedanken abzuschweifen und im Gebirgssee zu versinken. Die geleiteten Meditationen sind in englischer Sprache, dafür aber sehr langsam und angenehm gesprochen. Calm ist für eine junge Zielgruppe geeignet. Die englische Vertonung, sowie die Endlosvideos im Hintergrund und die UX der App machen sie für Millenials ideal.

Meditations-Apps bieten einen guten Einstieg

Ich selbst kam während meines Yoga-Kurses vor einigen Jahren zur Meditation. Hier habe ich die positiven Wirkungen auf Geist und Körper zuerst bemerkt und komme so immer wieder, wenn auch nur semi-regelmäßig, zur Meditation zurück. Umso mehr freut es mich, dass die Meditation nun auf einfache Art und Weise buchstäblich in die Hände der Menschen gefunden hat. Allerdings war ich anfangs kritisch der Methode gegenüber – wie sollte ein Gerät, welches mich stresst, mir dabei helfen können abzuschalten? Im Test konnte ich wieder feststellen, dass Meditation etwas sehr persönliches ist: Jeder benötigt seine ganz persönliche Art und Weise, zu meditieren. Ich denke, dass die hier vorgestellten Apps alle gut dafür geeignet sind, in die Meditation einzusteigen. Die geleiteten Meditationen sind leicht verständlich und zeigen einem die grundlegenden Wirkweisen der Meditation auf. Für einen alten Hasen wie mich, der 30 Minuten am Stück ungeleitet meditiert, sind an den getesteten Apps jedoch höchstens die Timerfunktionen interessant. Ich denke, dadurch dass jeder auf höchst persönliche Art und Weise meditiert, ist es schwer, die beste App festzustellen. Alle sind einfach zu bedienen und bieten ein Grundgerüst an Meditationen. Ich rate deshalb jedem, der Meditation einmal ausprobieren möchte, alle Apps kurz zu testen und dann bei einer zu bleiben. Denn eines ist wissenschaftlich belegt und mittlerweile Allgemeinwissen: Meditation ist gesund, aber erfordert Regelmäßigkeit.

Artikel vom   24. Februar 2017
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