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Like mich: Wie soziale Medien Freundschaften beeinflussen

von Christian Zeiser

Zwischen Freundschaft und Selbstdarstellung: Facebook, Instagram und Co haben großen Einfluss auf unsere Beziehungen. Nicht nur Gute.

Nehmen wir mal an, die junge Kollegin hatte auf der jüngsten Betriebsfeier ordentlich einen sitzen und flirtete hemmungslos mit dem Chef einer anderen Abteilung. Das plaudert man selbstverständlich auf keinen Fall auf Facebook aus, oder? Irrtum, 14 Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen würden das tun.

Soziale Medien verändern unser Verhalten

Wer soziale Medien nutzt, hat ein Motiv dafür. Nun werden viele Nutzer sagen, dass sie einfach nur mit Freunden in Kontakt bleiben wollen. Wirklich glaubhaft ist das allerdings nicht, denn die meisten Menschen haben viel mehr Kontakte in diesen Netzwerken, als sie echte Freunde haben. Hinzu kommt, dass gerade bei jüngeren Nutzern, allen voran Teenagern, Angebote wie Instagram mittlerweile wichtiger werden als Facebook – und Instagram kennt keine Freundschaften, die von beiden Seiten bestätigt werden müssen, sondern dort wird einfach nur gefolgt – je mehr Follower, desto besser. Ein wichtiger Grund für die Nutzung sozialer Medien ist also ein anderer: Selbstdarstellung. Wir wollen uns selbst in ein gutes Licht rücken, und dafür tun wir einiges. Was genau, hat Kaspersky Lab, eigentlich Hersteller von Sicherheits-Software, untersucht. In 19 Ländern, darunter Deutschland, befragte das Unternehmen viele Tausend Nutzer, das Ergebnis kann als weltweit zuverlässig angesehen werden und ist interessant bis verblüffend. So veröffentlicht knapp ein Viertel der Nutzer auch schon einmal Klatsch über Freunde und Bekannte – wobei Frauen insgesamt vernünftiger vorgehen als Männer. Den Freunden, über die dort geredet wird, ist das nicht immer recht: Fast die Hälfte der Befragten gab an, schon einmal schlechte Laune gehabt zu haben, weil etwas Unvorteilhaftes über sie auf sozialen Medien gepostet wurde.

Das Problem: Likeaholismus

Der Grund für das zweifelhafte Verhalten eines Teils der Nutzer ist der Wunsch nach Bestätigung: Wer auf Facebook viele Likes bekommt oder auf Instagram viele Follower hat, fühlt sich aufgewertet. Auf der Suche nach Anerkennung liegt die Latte zum Inakzeptablen manchmal ziemlich hoch. Zwölf bis 14 Prozent der Männer sind bereit, vertrauliche oder peinliche Informationen über Freunde, Kollegen oder sogar den Arbeitgeber preiszugeben, unter Frauen sind es nur etwa halb so viele. Die Freundschaften und Beziehungen zu diesen Personen scheinen zweitrangig zu werden, wenn möglichst viele Likes winken. Gleichzeitig reagieren viele Nutzer frustriert, wenn sie für einen Post nicht die erwartete Anzahl von Likes bekommen – oder eine bestimmte, besonders wichtige Person einen Post nicht mit „Gefällt mir“ markiert. Mehr als die Hälfte aller Befragten gab an, dass ihnen so etwas schon passiert sei. Auch hierunter können Freundschaften potentiell leiden. Ein weiterer Faktor ist Neid. Auf sozialen Medien werden vorwiegend gute Nachrichten verbreitet, und wer ständig einen ausschweifenden News-Feed voller Partys, Urlaubsreisen und anderen Events vor sich sieht, reagiert ob des eigenen, nicht ganz so aufregenden Lebens leicht frustriert. 59 Prozent gaben an, schon einmal genervt gewesen zu sein, weil Freunde Bilder von einer Party veröffentlichten, zu der sie selbst nicht eingeladen waren, 45 Prozent fühlten sich schon einmal von den tollen Urlaubsbildern eines Freundes frustriert. Frust indes, ausgelöst durch das Verhalten von Freunden, ist für diese Freundschaften nicht eben fördernd.

Soziale Medien können Freundschaften auch festigen

Auf der anderen Seite sind Facebook, Instagram und Co auch durchaus von Nutzen, weil sie Menschen nach wie vor eher zusammen bringen als auseinander treiben. Eine große Mehrheit der Befragten kommuniziert durch sie häufiger mit Freunden, Bekannten, Eltern, Kindern, Kollegen und dem Partner. Vor allem Eltern gaben an, dass sich die Beziehung zu ihren Kindern durch soziale Medien gebessert hätten. Dem gegenüber stehen aber auch 35 Prozent, die angaben, wegen sozialer Medien weniger direkten Kontakt zu ihren Freunden zu haben. Soziale Netzwerke schädigen Freundschaften also nicht zwangsläufig – es kommt darauf an, wie wir sie nutzen. Wer einem Freund von der eingangs erwähnten Kollegin erzählt, begeht einen Vertrauensbruch und macht sich bei ihr unbeliebt. Wer ein Foto von der Betriebsfeier auf Facebook veröffentlich, tut dies in ungleich größerem Maße und hat anschließend vielleicht eine hübsche Anzahl von Likes, aber auch genauso viele Freunde, die nun ein negatives Bild von ihm haben, weil er eine Kollegin schlecht dastehen lässt. Übrigens: Auch vor sich selbst machen viele Nutzer sozialer Medien nicht Halt. Zwölf Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen würden Bilder von sich selbst in freizügiger Kleidung posten, neun Prozent der Männer und fünf Prozent der Frauen sogar Nacktfotos.

Artikel vom   24. Juli 2017
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