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Liebeskummer: Wie Facebook Trennungen erschwert

von Lena Ingers

Die sozialen Medien machen es manchen Nutzern schwer, über eine Trennung hinwegzukommen. Hilft eine Facebook-Diät gegen Liebeskummer?

Liebeskummer ist immer eine schmerzhafte Erfahrung. Aber manche Menschen leiden mehr als andere. Seit jeher beschäftigt sich die Psychologie mit diesem Phänomen und fragt: Woran liegt das? Und was können Herzschmerz-Patienten tun, um ihr Leiden zu verkürzen? Einige psychologische Studien deuten an, dass eine Social Media-Diät gegen Liebeskummer helfen könnte. Aber das ist nur eine stark verkürzte Formel für ein weitaus komplexeres Problem.

„Lass uns Freunde bleiben“: Auf Facebook ist das einfach, im echten Leben nicht

Die meisten Ex-Partner bleiben nach der Trennung auf Facebook befreundet. Doch mit einem gebrochenen Herzen ist das oft keine gute Idee, wie die Psychologin Tara Marshall herausgefunden hat. In einer Studie an der Brunel University in London hat Marshall knapp 500 frisch getrennte Online-Nutzer zu ihrem Facebook-Verhalten und ihren Gefühlen befragt. Die Studienteilnehmer sollten unter anderem bewerten, wie stark sie unter dem Liebeskummer litten oder wie sehr sich ihr Leben seit der Trennung verändert habe. Marshall verglich die Antworten. Ihre Ergebnisse sorgten weltweit für Aufsehen. Jenen Testpersonen, die mit ihrem ehemaligen Partner auf Facebook befreundet blieben, fiel es nachweislich schwerer, ihren Liebeskummer zu überwinden. Offenbar nutzten viele die Plattform, um heimlich nach Hinweisen auf das „neue Leben“ ihres Ex-Partners zu suchen. Je häufiger die Befragten in ihrer Studie das Facebook-Profil der oder des Verflossenen aufsuchten, desto größer war ihr Herzschmerz. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Ex-Partner auch außerhalb von Facebook einen persönlichen Kontakt unterhielten oder nicht.

Die Studie lässt aber auch den Umkehrschluss zu: Je besser die Testpersonen die Trennung verkraftet hatten, desto weniger waren sie versucht, ihren Ex-Partners auszuspionieren und waren daher auch weniger von dem Problem betroffen. Insofern lässt sich hier zu Recht die Frage nach Ursache und Wirkung stellen. Ist es jetzt die Facebook-Nutzung, die den Liebeskummer verursacht? Oder ist es vielmehr der Liebeskummer, der die Nutzer dazu bringt, Facebook auf eine ungesunde Art und Weise zu nutzen? Psychologin Marshall rät jedenfalls am Ende ihrer Liebeskummer-Studie dazu, vom früheren Partner Abstand zu nehmen. „Den Umgang mit dem Ex-Partner zu vermeiden, sowohl offline als auch online ist wohl das beste Heilmittel gegen ein gebrochenes Herz“, schreibt sie.

Ab und zu auf Facebook verzichten: nicht nur bei Liebeskummer eine gute Idee

Marshalls Untersuchung fand 2013 statt. Inzwischen gibt es unzählige Studien, die belegen sollen, dass Facebook unglücklich macht. Klar ist: Wer ständig durch seinen Stream scrollt, wird entsprechend oft mit den Erfolgen und dem Glück der Anderen konfrontiert. Freunde ändern ihren Beziehungsstatus, Paare geben ihre Heirat bekannt, Babyfotos werden geteilt und Urlaubserinnerungen verbreitet. Das kann einem schnell zu viel werden, vor allem, wenn man selbst gerade eine persönliche Krise durchlebt. „Facebook-Neid“ nennen Experten dieses Gefühl und raten Betroffenen: Einfach mal abschalten!

Ein Soziologe der Universität Kopenhagen hat die Wirkung in einer Studie getestet, indem er der Hälfte seiner 1.000 Probanden eine Facebook-Diät verordnete. Und siehe da: Nach nur einer Woche Enthaltsamkeit ging es dieser Testergruppe besser als der anderen. Die Facebook-Abstinenzler waren generell zufriedener mit ihrem Leben und beschrieben positivere Gefühle. Doch wenn Facebook eine einzige Kummer-Falle ist, warum sagen dann nicht einfach alle Adieu? Warum machen sich Milliarden von Nutzern selbst unglücklich? Der große Philosoph Friedrich Nietzsche würde wahrscheinlich sagen: Weil es in unserer Natur liegt. Selbst wer alles hat – Wohlstand, Gesundheit, ein sicheres und komfortables Leben, oder was auch immer man für das persönliche Glück als notwendig erachtet – wird immer nach dem einen Quäntchen suchen, das ihm noch fehlt. Das muss nicht immer schlecht sein. Aber wir sollten uns eingestehen: Wenn uns jemand unglücklich macht, dann sind es zuallererst wir selbst. Außerdem: Facebook finden wir doch alle trotzdem irgendwie praktisch, oder?

Artikel vom   05. April 2017
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