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Lebenshilfe-Apps – du schaffst das!

von Franziska Wischmann

Dank Lebenshilfe-Apps sollen wir organisierter, fitter, gesünder und entspannter leben. Wie funktionieren sie? Wir haben uns drei Apps ganz genau angeschaut.

Es gibt viele potentielle Helfer da draußen. Und alle sind sie digital. Man kann sich von verschiedensten Apps unterstützen lassen, wenn man abnehmen, mehr Sport treiben oder mit Meditation zu innerer Ruhe kommen will. Aber es gibt auch Apps, die einen coachen, wenn man mit dem Rauchen aufhören oder seinen Haushalt besser organisieren will. Sie sollen nicht allein an gute Vorsätze erinnern, sondern sind so programmiert, dass sie den User nachhaltig beeinflussen, indem sie ihn emotional ansprechen. Sie bauen mit wenigen vorprogrammierten Sätzen quasi eine persönliche Beziehung auf, loben, erinnern und motivieren den User, mit schlechten Gewohnheiten aufzuhören und neue Routinen zu etablieren. Das passiert über kleine Reminder, die per SMS aufs Handy geschickt werden und zum Durchhalten animieren. Oft sind es tatsächlich die kleinen Schrauben, an denen man drehen muss, um sich in den Genuss einer großen Wirkung zu bringen.

Die neue Technik macht den Coach in der Hosentasche rund um die Uhr für jeden zugänglich. Und erschwinglich. Denn statt teure Stunden für ein Coaching bezahlen zu müssen, sind viele dieser Lebenshilfe-Apps für kleines Geld oder sogar kostenlos zu bekommen. Aber helfen sie wirklich? Oder ist es nur eine neue Form der Selbstoptimierung, die mich daran erinnert, eine noch bessere Version meiner selbst zu werden, was tatsächlich nicht gerade nach Entspannung klingt? Ich will es wissen und habe es ausprobiert.

BeMo – Mit Better Morning gut durch den Tag

Morgens habe ich ein Problem: Ich will zu viel. Vor der Arbeit schnell noch eine Maschine durchjagen, mit ein paar Handgriffen für Ordnung sorgen und die wichtigsten Anrufe tätigen – früher ging mir das leicht von der Hand und hinterließ das unwiderstehliche Gefühl, schon vor 8 Uhr jede Menge „geschafft“ zu haben. Inzwischen stresst es mich und macht mich atemlos. Vor allem, wenn auch noch etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt. Der Sportbeutel zum Beispiel, den mein Sohn im Flur hat stehen lassen und den ich ihm noch schnell hinterherfahre oder der Umstand, dass jemand den letzten Liter Milch ausgetrunken hat, ohne für Nachschub auf der Einkaufsliste zu sorgen. Was auf dem Weg in den Tag längst verloren gegangen ist? Das Gefühl von Ruhe und Befriedigung.

Dafür gibt es jetzt eine neue App. Better Morning, kurz BeMo, heißt sie und sie will dabei helfen, dass man entspannter, gelassener und energetisch positiv aufgeladen seinen Tag beginnen kann. Weil nicht jeder morgens die gleichen Bedürfnisse hat, fragt BeMo nach Gewohnheiten und Vorlieben. Wer also schwer aus dem Bett kommt und sich antriebslos und schlapp fühlt, bekommt Produktivitätstipps und eine Extra-Portion an Energie-Kick ausgespielt, während derjenige, der sich besser organisieren und weniger Stress haben will, lernt, dass man wichtige Handgriffe schon am Abend zuvor erledigen kann. Mit Hilfe von Algorithmen merkt sich BeMo, was ich brauche und versorgt mich genau mit den Tipps, die mir persönlich gut tun. Die App hat dabei den gesamten Tag im Blick und hilft dabei, dass man sich insgesamt weniger Sorgen macht und damit auch besser schlafen kann.

Was ich besonders gut finde? Die Tipps sind reich an Informationen. Ich erfahre also nicht nur, dass ich morgens ein Glas warmes Wasser trinken soll, sondern auch, was es mit meinem Körper macht und warum das so wichtig ist. Das bleibt hängen und bietet echte Aha-Erlebnisse. Überrascht haben mich die Nachmittagstipps, die unerwartet aufploppen. Dort gibt es kleine Botschaften, die zum Umdenken anregen – zum Beispiel einfach mal Nichtstun in den Kalender eintragen und sich bewusst nichts vornehmen. Oder einem Menschen, der einem sehr nah steht, ein schönes Kompliment machen. Die Botschaft: Geben macht glücklich und kann ganz einfach sein.

Mein Gesamtfazit nach drei Wochen? Ich habe es geschafft, ein wenig Druck aus dem Segel zu nehmen und mich von meinen hohen perfektionistischen Ansprüchen zu verabschieden. Dass ich jetzt wieder deutlich besser durchschlafe, ist ein toller Sideeffekt.

Android, deutsche Sprache, kostenlos

Coach.me – in drei Wochen zum Erfolg

Auf einem ähnlichen Ansatz basiert Coach.me. Die Theorie dahinter? Es braucht drei Wochen, um sich etwas abzugewöhnen und eine neue bessere Lebensweise zu etablieren. Während dieser drei Wochen ist die Versuchung groß, in alte Muster zurückzufallen und sein Vorhaben aus den Augen zu verlieren. Mit Coach.me kann man sich persönliche Ziele setzen und bekommt die dafür notwendige Unterstützung, sie auch zu erreichen. Dafür kann man aus verschiedenen Bereichen wählen: Abnehmen ist genauso dabei wie bewusster zu leben oder Geld zu sparen. Wer sich für einen Bereich entscheidet, bekommt einen Pool von Coaches zur Seite gestellt, die genau die Anregungen liefern, die man braucht. Die Coaches sind mit Namen und Foto veröffentlicht, insofern hat man das Gefühl, dass echte Menschen mit ihren Best-Of-Tipps den Weg zum Ziel begleiten. Ebenfalls gut: Die Etappenziele werden in hübschen Grafiken veranschaulicht, man kann sie mit seinen Freunden teilen und sich damit zusätzlich Motivation von außen holen. Das ist eine besondere Stärke von Coach.me: Das Gefühl, dass man mit Gleichgesinnten interagieren kann. Wenn der innere Schweinhund mal wieder auf der Bremse steht, hilft enorm, wenn andere motivieren weiterzumachen. Unter den Augen seiner Freunde will man nicht einfach aufgeben, schon gar nicht, wenn sie es geschafft haben, dranzubleiben und bereitwillig ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen und mit einem teilen.

Gesamtfazit: Eine gute Motivationsapp, die vor allem durch echte Coaches und ihre Tipps besticht. Ebenfalls gut: übersichtliche Grafiken der Etappenziele und die große Gemeinde an Gleichgesinnten, die das Gefühl vermitteln, you never walk alone...

Apple und Android, englische Sprache, in der Basisversion kostenlos. Wer mit einem Coach an einem spezifischen Problem (zB. mehr Selbstbewusstsein) arbeiten will, kann Pakete dazukaufen. (9,99$)

Family Cockpit – besser organisiert durch den Alltag

Ein Must für Familien mit Kindern, die jede Menge Termine und einen straffen Zeitplan haben. Das Family Cockpit ist zwar kein Coaching im klassischen Sinne. Aber mit äußerst sinnvollen Einstellungen hilft diese App, den Alltag zu planen, zu organisieren und dafür zu sorgen, dass alle im Bilde sind und kein Termin mehr vergessen wird. Ob Schwimmkurs, Hockeyspiel, Ohrenarzttermin oder Elternabend – alles kann übersichtlich im Kalender eingetragen und mit einer Erinnerungsfunktion versehen werden. Darüber hinaus gibt es Einkaufslisten und andere wichtige To-Dos – etwa im Vorfeld einer Urlaubsreise – die geplant und in farblich abgesetzten Feldern eingetragen werden können. Mit einem Tab kann man andere Familienmitglieder mit ins Boot holen. Ebenfalls gut: Notfallnummern, die von jedem Familienmitglied eingesehen werden können. Einziger Wehrmutstropfen? Der Kalender lässt sich nicht mit anderen Kalendern synchronisieren. Es ist ein gutes, aber in sich geschlossenes System. Das macht es für berufstätige Eltern etwas schwierig, persönliche To-Dos mit Business-Terminen in Einklang zu bringen.

Gesamtfazit: Ein tolles Organisationstool für die ganze Familie mit vielen zusätzlichen Features für alle Lebenslagen. Leider nicht kompatibel mit Kalenderfunktionen anderer Anbieter. 2,99€

Artikel vom   03. Mai 2017
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