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Kinder allein zu Haus – mit smarter Technik kein Problem

von Franziska Wischmann

Freiraum oder Überforderung: Können Kinder allein zu Haus bleiben? Ja, aber wichtig sind liebevolle Vorbereitung und smarte Technik für mehr Sicherheit.

Früher hießen sie Schlüsselkinder. Den Namen hatten in den frühen 70ger Jahren Schulkinder dem Umstand zu verdanken, dass sie mittags nach Schulschluss allein die Haustür aufschließen mussten, weil Vater und Mutter berufstätig waren. Das war damals nicht nur äußerst selten. Dem unfreiwilligen Alleingelassenwerden haftete auch ein Touch von »bemitleidenswert« an. Und vor allem bescherte er den betroffenen Eltern ein schlechtes Gewissen und Zweifel, ob ihr Kind mit der frühen Verantwortung nicht überfordert wäre.

Kinder brauchen Freiräume

Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Die Berufstätigkeit beider Eltern ist keine Seltenheit mehr. Und neue Untersuchungen zeigen, dass Kinder Freiräume brauchen um sich selbst auszuprobieren und Grenzen zu erfahren. Überfürsorgliche »Helikopter-Eltern« gelten sogar als kontraproduktiv. Das bildet sich inzwischen sogar im Gesetz ab. Der Rechtsanspruch auf eigenverantwortliches Handeln ist in Paragraph §1626 BGB verankert. Dort heißt es: „Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbstständigem verantwortungsbewusstem Handeln." Dazu gehört, Kindern etwas zuzutrauen.

Kinder werden immer selbstständiger

Das deckt sich auch mit den Beobachtungen von Erziehungsexperten wie dem Berliner Psychoanalytiker und Erziehungswissenschaftler Professor Bernd Ahrbeck, nämlich dass Kinder tatsächlich immer früher und schneller selbstständig werden. Das hängt mit ihrem natürlichen Umgang mit elektronischen Medien wie Computer, Smartphone oder Playstation zusammen. Sie kennen sich deswegen oft ganz selbstverständlich mit smarter Technik aus und haben mit App gesteuertem Licht, mit Überwachungskameras und anderen Gadgets praktisch keine Berührungsängste. Wer möchte, kann sich die Sicherheitsszenarien bei uns im Smart Living Haus anschauen.

Wann jedoch der richtige Zeitpunkt ist, Kinder allein zu Haus zu lassen, ist individuell unterschiedlich. Und es kommt natürlich darauf an, ob von ihnen erwartet wird, dass sie die ganze Woche hindurch ihre Nachmittage eigenverantwortlich organisieren sollen oder ob es nur um ein oder zwei Stunden am Nachmittag geht. Erziehungsexperten raten davon ab, Kinder unter acht Jahren regelmäßig über einen längeren Zeitraum von mehreren Stunden allein zu lassen. In diesem Fall wäre ein Netzwerk aus Großeltern oder Schulfreunden, zu denen man mitgehen könnte, die bessere Wahl.

Kinder allein zu Haus: Die wichtigsten Regeln

Doch spätestens, wenn es in die weiterführende Schule geht, finden Kinder die Selbständigkeit und Verantwortung und die damit verbundenen Freiräume durchaus attraktiv. Weil sie aber noch nicht abschätzen könnten, was es tatsächlich bedeutet, ist eine langsame Eingewöhnungszeit eine wichtige Voraussetzung. „Eltern sollten in dieser Phase auf jeden Fall ganz engen Kontakt mit ihrem Nachwuchs halten und herauszuhören versuchen, wie er sich mit der neuen Situation fühlt,” empfiehlt Tatiana Schildt vom Coaching und Consulting Institute in Hamburg. „Außerdem wäre es gut, ein paar Sicherheitsnetze zu spannen, die im Zweifelsfall auffangen, was an Unsicherheit entstehen kann,“ so die Expertin weiter. Ein Handy mit den wichtigsten eingespeicherten Nummern gehört zur Basisversorgung. Eine Indoor-Kamera wie etwa die Netatmo Kamera Welcome mit Gesichtserkennung kann die zweite wichtige Verbindung zum Büro der Eltern sein. Sie bekommen per Push-Nachricht Bescheid, ob der Nachwuchs gut zu Hause angekommen ist. Sollte sich das Kind einmal krank fühlen, können Eltern sofort persönlich darauf reagieren.

Rollenspiel und Verlässlichkeit

Mit kleinen Rollenspielen kann man übrigens die täglichen Abläufe mit den Kindern üben: „Lassen Sie Ihr Kind die Haustüren aufschließen oder eine Pizza aufbacken. Spielen Sie durch, wie sich Ihr Kind verhalten soll, wenn ein Fremder anruft oder an der Tür klingelt. Erklären Sie, wo sich die Hausapotheke mit Pflastern befindet und wie es lernt, ein Pflaster selbst aufzukleben,“ sagt Expertin Schildt. Was Kinder noch brauchen, wenn sie häufig allein zu Haus sind, ist Verlässlichkeit. „Wenn man angekündigt hat, um 17h00 nach Hause zu kommen, dann sollte man nicht erst um 17h30 da sein“, sagt Tatiana Schildt. „Kinder brauchen die Sicherheit, sich auf die Aussagen der Eltern verlassen zu können. Ausnahmslos.“ Stehen Eltern nicht ständig zur Verfügung, ist außerdem die sogenannte »Quality-Time« besonders wichtig. Eltern sollten genügend Zeit haben, gemeinsam mit ihren Kindern die Freizeit zu verbringen. Dazu gehören gemeinsame Abendessen, Aktivitäten am Wochenende und Plauderrituale. Einfach genau zuhören, wie es dem Kind geht. Dann bleiben keine Fragen offen.

Artikel vom   26. Juli 2017
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