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Instagram - vom Fotonetzwerk zum Starportal

von Stefan von Gagern

Kein soziales Netzwerk hat in letzter Zeit so stark an Popularität gewonnen wie Instagram. Wir zeigen, wie Instagram sich zum Star- und Influencer-Netz von heute entwickelt hat.

Instagram hat sich seit seinem Start 2010 vom Insider-Tipp für mobile Fotografen zum Mainstream entwickelt. In den letzten beiden Jahren konnte das Fotonetzwerk seine Nutzerzahl verdoppeln und sprengte 2016 den 500 Millionen-Meilenstein. Heute ist Instagram der Ort, wo sich Lifestyle, Stars und meistens einfach schöne Bilder tummeln. Nicht nur Prominente aus Film, Fernsehen, Sport und Musik finden sich auf Instagram, es gibt inzwischen eine Reihe von Stars, die mit Instagram selbst berühmt wurden - die so genannten Influencer. In Deutschland gibt es laut zielbar.de über 230.000 User, die mehr als 15.000 Follower verzeichnen und sich damit zu dieser Gattung zählen dürfen. Die Marken haben Instagram längst als Werbeplattform entdeckt und betreiben „Influencer-Marketing“. Das heißt, die Meinungsmacher werden zum Beispiel bezahlt, um dann Fotos mit dem Produkt an die Follower zu veröffentlichen. So verkaufen sie den Zugang zu ihrem Publikum an die Marken.

Geldmaschine, die von Facebook teuer gekauft wurde

Instagram macht inzwischen auch prächtige Werbungsumsätze. Firmen können wie auf Facebook dafür bezahlen, in den Bildern von bestimmten Zielgruppen zu erscheinen und mit Links zum Kauf ihrer Produkte aufzufordern. Instagram und seine Nutzergemeinde waren dem Social-Media-Giganten Facebook im Jahr 2012 eine Milliarde Dollar wert. Zu diesem Zeitpunkt hatte Instagram zwölf Mitarbeiter und keine Ahnung, wie man mit dem Bilderdienst Geld verdienen könnte. Die Kaufsumme brach alle Rekorde. Nie zuvor war für einen Bilderdienst so viel Geld ausgegeben worden. Google hatte zuvor Picasa für fünf Millionen Dollar gekauft, Yahoo schluckte Flickr für 30 Millionen Dollar – beides Schnäppchen im Vergleich. Doch der damals verrückt aussehende Kauf hat sich für Facebook sicher längst gerechnet. Auch Werbetreibende auf Facebook können dafür bezahlen, dass mit ihren Beiträgen auch der Bilderdienst gefüttert wird. Instagram hat im letzten Jahr für Business-Betreiber viele Features wie den schnellen Wechsel von Konten oder Business-Funktionen für Werbung hinzugefügt. Lediglich die Möglichkeiten vom PC-Desktop aus bleiben weiterhin beschränkt: Instagram will weiter sicherstellen, dass die Fotos vom Smartphone und nicht automatisiert aus Bilderdatenbanken im Netzwerk landen.

Die Grundidee: Die Sofortbildkamera fürs Internet

Dabei fing alles ganz klein an. Auf dem Instagram-Blog heißt die Unterzeile „Die Momente der Welt einfangen und teilen.“ Genau darum ging es von Anfang an: das schnelle Foto mit dem Smartphone und der Spaß daran, den Moment mit der ganzen Welt zu teilen. Das war der Unterschied zu der Sofortbildkamera, die lange Jahre das Symbol von Instagram war. Die Bilder konnten mit direkter Netzanbindung der ganzen Welt gezeigt werden. Doch was macht die als simpler Fotodienst gestartete App so erfolgreich? Laut den Gründern Kevin Systrom und Mike Krieger waren es kluge Entscheidungen. Die Macher haben einfach beobachtet, was die Anwender am liebsten machen, und darauf basierend den nächsten Schritt unternommen. Instagram war einmal eine App zum Teilen von Orten, ähnlich wie Foursquare. Doch tatsächlich checkten die meisten Leute nicht damit ein, sondern nahmen Fotos auf. Aus dem Misserfolg erkannten die beiden einen Bedarf und stellten auf Foto-Sharing um. Aus „Telegram“ und „Instant Kamera“ (engl. für „Sofortbildkamera“) wurde der Name für die neue App kombiniert. Eine weitere Erfolgskomponente waren die eingebauten Fotofilter: Es ging nicht nur ums Teilen, sondern auf Knopfdruck bekommen Instagram-Bilder eine besondere Retro-Optik. Die Leute liebten die Filter und empfohlen die App an Freunde weiter. Zusammen mit der Jagd nach „Likes“ und „Kommentaren“ zu den hochgeladenen Bildern macht das den Suchtfaktor von Instagram aus. Daher hat der Bilderdienst nicht nur viele, sondern vor allem aktive Nutzer, die täglich Bilder hochladen und andere ansehen. Mit 400 Millionen Nutzern konnte Instagram schon vor drei Jahren den allgegenwärtigen Kurznachrichtendienst Twitter und die bisherige Nummer zwei nach Facebook überholen. Täglich werden auf Instagram 80 Millionen Bilder geteilt. Und vor allem ist Instagram im Gegensatz zu Twitter nicht ein Phänomen, dass nur in den USA Erfolg hat: 75 Prozent der aktiven Instagram-Mitglieder kommen nicht aus den Staaten.

Von Stories bis Live-Übertragungen

Im letzten Jahr hat Instagram nicht nur alle Rekorde gebrochen, vor allem hat der einst puristische Bilderdienst viel dazugelernt. Nicht nur das neue, bunte Logo wurde heiß diskutiert, auch der Wechsel zu einem nach dem Nutzerverhalten vorsortieren Bildern im Feed - nach dem Vorbild von Facebook - schmeckte nicht allen Instagram-Fans. Begrüßt wurde hingegen die neue Story-Funktion, bei der sich Instagram sichtlich von Konkurrent Snapchat hat inspirieren lassen. Hier können die Nutzer Bilder und kurze Videoclips aus den letzten 24 Stunden zu einer Diashow, der Story des Tages, zusammenfügen und mit Emojis und Kommentaren verzieren. Wie der große Bruder Facebook sind seit kurzem auch Live-Übertragungen möglich. Per Knopfdruck können sie ihren Followern ein Live-Video von dem servieren, was sie gerade machen. Bei den Livestreams hat sich Facebook beziehungsweise Instagram auch vom Ex-Konkurrenten Periscope inspirieren lassen. Doch wie so oft gilt in Social Media: Es hat nicht immer der Erfolg, der die Idee liefert, sondern meistens wer das Publikum dafür hat.

Artikel vom   13. April 2017
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