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Gadgets – digitale Bleistifte im Einsatz

von Peter Kusenberg

Bleistifte waren bisher von der Digitalisierung ausgenommen. Das ändert sich jetzt: Der Pencil genannte Stift-Computer des Herstellers Fiftythree erleichtert selbst Laien Malen und Zeichnen auf dem iPad.

Bis heute vermeidet es die Firma Apple, ihre iPhones und iPads mit Standard-Zubehör wie Gamepads, Tastaturen und Zeichenstiften auszuliefern. Dabei lässt sich ein Jump'n-Run-Spiel deutlich besser mit einem Powershell-Controller von Logitech steuern, und das Zeichnen auf dem iPad macht erst mit einem Stift Spaß, etwa mit dem Bamboo Stylus der Firma Wacom – oder mit dem Pencil von Fiftythree. Das geschmeidige Gerät im Walnuss-Design sieht aus wie ein gewöhnlicher Zeichenstift und schmiegt sich auf angenehme Weise in die Hand des Zeichners. Im Inneren befinden sich Akku, Bluetooth-Empfänger und Prozessor. Die auf einer Kunststoffschiene befindlichen Digital-Bauteile lassen sich mit einem einfachen Handgriff aus dem Gehäuse ziehen. Der Nutzer steckt die Schiene in den USB-Anschluss des Computers und wartet rund 90 Minuten, dann ist der Akku komplett geladen und hält mindestens 20 Arbeitsstunden lang durch.

Um den Stift zu verwenden, benötigt man erstens ein iPad und zweitens eine App mit Schrifterkennung, etwa Adobe Sketch. Am besten harmoniert der Pencil mit Apps wie Noteshelf, Procreate und dem Hersteller-eigenen Programm Paper by 53, das in der Grundversion hier kostenlos im AppStore verfügbar ist. Nach dem Start der App aktiviert der Nutzer seinen Pencil, indem er die Spitze drei Sekunden lang auf das Pencil-Symbol drückt. Die Spitze besteht aus Kunststoff, der sanft und ohne Stocken über das iPad-Display gleitet. Die weiche, leicht wabbelige Oberseite des Pencils repräsentiert den Radiergummi, damit lassen sich Linien und Malflächen entfernen, was meist ordentlich funktioniert.

Die Strichdicke bestimmt der Nutzer über die Palette, die an der Unterseite des Programms eingeblendet wird. Insbesondere Federhalter und Bleistift lassen sich mit dem Pencil so einsetzen, dass man kaum einen Unterschied feststellen kann zum Gebrauch echter Stifte auf Papier. Drückt man stärker aufs Display, wird der Strich dicker, wobei er nach dem Absetzen ein wenig ausfranst. Bei Verwendung der Pinsel benötigt man eine Einarbeitungszeit, da es schwierig ist, präzise die gewünschte Farbmenge zu bestimmen. Vor allem feine Linien gelingen nicht immer, dafür ist die Spitze des Pencils zu dick.

Immerhin lassen sich Feineinstellungen via Fingergeste vornehmen. Ebenso leicht gelingt das Hineinzoomen ins Bild, und man kann mit einem Tipper jede Aktion widerrufen. Zudem darf man beim Anfertigen eines Stilllebens seinen Handballen aufs Display auflegen, was den größten Vorteil darstellt gegenüber einem nicht-elektrischen Stift fürs iPad. Eine weitere Besonderheit des Zeichnens mit Pencil ist die Geräuschlosigkeit. Der Stift gleitet still übers Display. Dank der hervorragenden Anleitung der Paper-App kann selbst ein Amateur beeindruckende Skizzen und Aquarelle anfertigen – ohne sich die Hände mit Tusche zu besudeln. Paper-Bilder lassen sich exportieren. Der Import der Bilder gelingt mit der Hersteller-App nicht, dafür ist ein spezielles Bildbearbeitungsprogramm vonnöten. Dem Pencil liegt ein Paar Ersatz-Gummihülsen bei, die man indes nicht so bald braucht, da das sanfte Zeichnen nicht so bald Gebrauchtspuren am Gerät hinterlässt.

Der Pencil kostet mehr als eine Metall-Kiste voller Faber-Castell-Bleistifte, und beim Feinzeichnen hapert's. Doch wer Lust dazu hat, auf seinem iPad Skizzen zu erstellen oder einfach drauflos zu kritzeln, der erhält mit dem Pencil ein taugliches Eingabegeräte fürs Zeichnen ohne Farbflecken an den Fingern.

Der Pencil fürs iPad kostet ab ca. 50 Euro (Graphit-Edition).
Ein Set mit zwei Ersatzspitzen und einem Radierer ist für rund 10 Euro erhältlich.

Bezugsquellen: FiftyThree

Artikel vom   17. Juli 2015
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