Zum Chat

  • fk01_13_g_Thema2_Smartphones_SIT_WEB.jpg

Elektronischer Türöffner: schlüsselloser Zugang

vonPeter Kusenberg

Unter Hochdruck ertüfteln Techniker digitale Programme, die auf möglichst idiotensichere Weise das Smartphone als Türöffner nutzbar machen. Wie das funktioniert, haben wir ausprobiert.

Zwei Firmen sind uns dabei besonders ins Auge gesprungen: Die deutsche Firma Elegate hat mit Colourbeam eine Technik entwickelt, die jedes beliebige Smartphone zum digitalen Schlüssel wandelt. Wie das genau funktioniert? Die Mobiltelefonnummer des Wohnungsbesitzers ist auf einem Server hinterlegt, von dort erhält der Nutzer via SMS die Türöffner-Freigabe in Form eines bunten Bildes auf dem Display. Das Display hält man vor den Türgriff, woraufhin sich die Tür automatisch öffnet. Der Clou besteht darin, dass der Türöffner-Code im Farbwechsel des Bildschirms enthalten ist. Auf diese Weise kann man als Eigentümer Dritten personalisierte Schlüssel zuweisen, etwa wenn die Schwester zu Besuch kommt, während man noch im Büro weilt.

Die zentrale Vergabe von Zutrittsrechten gehört zu den wirklich nennenswerten Vorteilen dieser digitalen Schlüssel. Am Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt wurde vor einigen Jahren die Schlüssel-App Key2Share entwickelt, die Lieferanten oder dem Hausmeister für einen bestimmten Zeitraum den Zutritt zur Wohnung gewährt. Sie erhalten einen Code via SMS oder E-Mail , mit dem sie die Wohnung betreten können. Auch wenn die Ingenieure am SIT auf größte Sicherheit Wert legen – im Zeitalter umfangreichen Datendiebstahls birgt das ein gewisses Risiko. Andererseits erschweren digital-elektronische Schließsysteme potentiellen Einbrechern das Aufbrechen der Tür, weil kein Schlüsselloch vorhanden ist, in das sie ihr Werkzeug stecken können.

Auf jeden Fall sollte der Betreiber der Schlüssel-Technik möglichst wenige Daten vom Kunden sammeln und speichern. „Wir müssen gar nichts vom Kunden wissen“, beruhigt Bernd Grohmann von der ostfriesischen Firma e-Q-3, die sich auf die Ausstattung und Einrichtung von Smart-Home-Systemen spezialisiert hat. Ihr solides System KeyMatic öffnet und schließt Türen via Funk, wobei eine Verschlüsselungstechnik das widerrechtliche Aufzeichnen von Funksignalen verhindert. „Bereits bei der Installation verschlüsseln wir unsere Systeme“, erklärte Grohmann.

Mit Preisen zwischen 50 und 200 Euro ähnlich kostengünstig wirkt das TSE Home 4001 der südwestfälischen Firma Burgwächter. Der Zylinder des Türschlosses ist mit einer Code-Tastatur verbunden, an der man die richtige Ziffern-Kombination eingibt. Alternativ nutzt man ein biometrisches System, wobei man, wie bei neueren iPhones, den Finger zur Identifizierung aufs Scanner-Display drückt. Im Handel überwiegen die letztgenannten digital-elektronischen Systeme ohne Smartphone-Einsatz, und das hat einen guten Grund.

Denn während digitale Türöffner dem Wohnungsbesitzer viele Sorgen ersparen, fügen sie ihm eine neue hinzu: Wie kommt man mit leerem Akku ins Haus hinein? Im Gegensatz zum Eisenschlüssel braucht das Smartphone Energie, sonst schließt es nicht. Vor allem nicht auf.

Bezugsquellen:
https://www.elegate.de // https://www.eq-3.de

Artikelvom  27. Juli 2015
SpeichernAbbrechen
Ähnliche Artikel