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E-Reader im Vergleich - die besten Modelle

vonPeter Kusenberg

Das Buch hat so langsam ausgedient, denn wesentlich handlicher sind die kleinen E-Reader mit umfangreichen Bibliotheken. Wir stellen einige Modelle vor.

Bücher sind gewichtig. Das wissen am besten diejenigen Menschen, die mit Sack und Pack in eine neue Bleibe ziehen und dabei feststellen, dass ein Drittel ihrer Umzugskartons mit Büchern bestückt ist, die zusammen rund die Hälfte des Transportgewichts ausmachen. Wie leicht gelänge der Umzug, trennte man sich von den papiernen Gewichten, die man meist aus sentimentalen Gründen aufbewahrt. Die Sentimentalitäten sollte man nicht unterschätzen, eine persönliche Widmung in einem geliebten Buch wärmt das Herz. Doch all die Sachbücher, Handbücher, Nachschlagewerke und das Gros des belletristischen Urlaubslesefutters lässt sich besser auf einem Reader speichern. Doch welcher Reader ist der geeignete?

E-Reader sind leicht und handlich

Grundsätzlich kann man E-Books auf allen digitalen Geräten lesen. Doch auf dem Smartphone ist das Display zu klein, das Tablet ist zu schwer, und auf einem Computer-Monitor wollt ihr vielleicht diesen Blog lesen, doch den neuen Houellebecq, ein Strindbergsches Drama oder Melvilles Moby Dick liest man besser in bequemer Haltung auf dem Sofa. Dazu eignen sich E-Book-Reader, die mit einem Gewicht zwischen etwa 150 und 230 Gramm angenehm leicht in der Hand liegen.

Die erhältlichen Reader stammen von verschiedenen Herstellern. Am weitesten verbreitet sind die Kindle genannten Geräte des US-Händlers Amazon und die Geräte des Tolino-Konsortiums, das aus der Deutschen Telekom und dem Großhändler Libri besteht sowie aus Buchhandelsketten à la Thalia, Hugendubel und Weltbild. Daneben gibt es unabhängige Hersteller, etwa die kanadische Firma Kobo.

Guter Kontrast beim Kindle

Den Kindle gibt es in mehreren Ausführungen, und zwar als kostengünstigen Standard-Kindle für rund 70 Euro, als neuen Kindle Paperwhite für etwa 120 Euro, als knapp 90 Euro teuren Kindle for Kids und als Kindle Voyage für rund 190 Euro. Alle aktuellen Kindle-Geräte verfügen über ein Touchscreen-Display mit einer Bilddiagonalen von sechs Zoll (= 15 Zentimeter), was ungefähr der Größe eines handlichen Papiertaschenbuchs entspricht. Die drei letztgenannten Modelle verfügen über ein kontrastreiches Schriftbild, beim Paperwhite und beim Voyager aktiviert man auf Wunsch eine Beleuchtung. Das macht das Lesen im Dämmerlicht zum Genuss, sogar bei völliger Dunkelheit kann man lesen, ohne vom Hintergrundlicht geblendet zu werden.

Große Auswahl

Alle Kindle-Geräte kann man via W-LAN mit Büchern beladen, optional gibt’s für Paperwhite und Voyage sogar ein UMTS-Modul für die mobile Anbindung an den Online-Shop. Nötig ist das nicht. Ihr solltet eher darüber nachdenken, ob ihr euch an die Amazon-Bibliothek binden möchtet. Amazons Bücher-Angebote sind attraktiv, eine Menge Klassiker gibt’s umsonst. Doch der US-Konzern verwendet eigene E-Book-Formate, die andere Reader nicht zu lesen imstande sind. Zudem wird euch nicht gelingen, ohne Weiteres E-Books im Format ePUB in die Bibliothek eines Amazon-Readers zu importieren.

Flexibler fahrt ihr mit dem Tolino-Konzept. Die Hersteller veröffentlichten im Oktober 2015 die neuen Modelle, darunter den soliden Paperwhite-Konkurrenten Tolino Shine 2 HD für rund 120 Euro. Dem Qualitätsniveau des Kindle Voyage entspricht der Tolino Vision 3 HD für rund 160 Euro. Er verfügt über ein stabiles, Spritzwasser-dichtes Gehäuse, was euch entspanntes Lesen in der Badewanne erlaubt. Das Gerät liegt leicht in der Hand, mit einem Finger blättert ihr die Buchseiten auf dem 6-Zoll-Display um, alternativ klopfet ihr kurz auf die Reader-Rückseite. Über einen Knopf schaltet man die Zusatz-Beleuchtung ein, die ein warmes Licht absondert und sich prima dafür eignet, wenn man im Bett neben einem schlafenden Partner schmökern will. Der Leser greift, wie bei den Kindle-Geräten, auf einige Hilfsmittel zu, also Suchfunktion und Lesezeichen. Wörterbücher kann man nachträglich installieren.

Die Wörterbücher sind als Download verfügbar. Dazu richtet ihr auf dem Tolino Vision 3 HD Ihr W-LAN ein und verbindet das Gerät kabellos mit einer Tolino-Bibliothek, wobei man zwischen beispielsweise dem Thalia- und dem Weltbild-Angebot wechseln darf. Der große Unterschied zu den Kindle-Geräten besteht in der Möglichkeit, eigene E-Books in den Formaten ePUB, PDF oder TXT auf den Reader zu kopieren. Unter Windows und Linux werden die Tolino-Geräte als externe Laufwerke erkannt und lassen sich per Drag-&-Drop mit E-Books befüllen.

Ungetrübte Lesestunden durch gute Akkuleistung

Die Akkus der Kindle- und Tolino-Geräte halten lange durch; jedoch nicht wochenlang, wie die Hersteller angeben, solange man die Beleuchtung nutzt und gelegentlich mit dem Browser im Internet stöbert. Mehrere Gigabyte Speicherplatz stehen zur Verfügung, darauf lässt sich genügend Lesestoff für eine sechsjährige Kreuzfahrt speichern, oder eben eine beachtliche Heim-Bibliothek.

Der Außenseiter Kobo Aura H2O kostet 180 Euro, er erkennt die meisten Formate, darunter ePUB, MOBI, PDF und das Comicbuch-Format CBR. Er ist ein wenig größer und schwerer als die Kindle- und Tolino-Geräte, dafür dürft ihr ihn ins Wasser werfen, was das H2O im Namen erklärt. Das Schriftbild ist gestochen scharf, die Buchstaben wirken geradlinig, zudem lässt sich der Speicher mittels SD-Karte um weitere 32 Gigabyte erweitern.

Sich von allen Papierbüchern zu trennen, das ist nicht ratsam. Insbesondere Kinderbücher und Bildbände kommen auf den kleinen, schwarzweißen Displays der E-Book-Reader schlecht zur Geltung. Doch Romane und Sachbücher: Warum nicht? Ihr solltet einmal ein Buch auf einem E-Book-Reader Probe-lesen und dann entscheiden, ob ihr euch ein Leben ohne Regale voller muffig riechender Gesamtausgaben von Shakespeare, Goethe und Stephen King vorstellen können. Ein E-Book-Reader steigert die Neigung, beim Entspannen auf dem Sofa verschiedene Bücher anzulesen, was in den meisten Online-Shops kostenlos ist und einem die Enttäuschung nach dem Kauf eines unerwartet öden, 700-seitigen Dreipfünders erspart.

Fotos: © Amazon, © Tolino, © Kobo

Artikelvom  27. Oktober 2015
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