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Die Powerwall von Tesla: ein Mega-Akku fürs Zuhause

vonSönke Jahn

In naher Zukunft sollen sich auch Haushalte komplett batteriebetrieben und zuverlässig CO2-neutral mit sauberen Solarstrom versorgen können. Eine Prognose aus dem Hause Tesla.

Elon Musk, der amerikanische Visionär, stellte seine neue Firma Tesla Energy vor, die Akkus nicht mehr nur für Teslas eigene Elektro-Sportwagen, sondern auch für Häuslebauer herstellen werde. Die sollen diese künftig tagsüber mit der eigenen Solaranlage auf dem Dach aufladen, um mit der gespeicherten Energie dann ihre Haushaltsgeräte im smarten Heim betreiben zu können. Hier gibt es die Pressevorführung im Clip, gut 18 Minuten in englischer Sprache:

Eine Energiewand für daheim

Powerwall, Energiewand, nennt Musk Teslas Hausbatterien für die Energiewende im eigenen Heim. Weil man den 100 Kilo schweren, 1,30 Meter hohen, 86 Zentimeter breiten und 18 Zentimeter tiefen Akku, wie der Name bereits vermuten lässt, drinnen oder draußen an die Wand hängt. Dessen Speicherkapazität lässt sich erhöhen, wenn man bis zu neun Powerwalls miteinander koppelt.

In zwei Ausführungen sollten sie bereits ab diesem Sommer erhältlich sein. Einmal als Modell mit einer Kapazität von sieben Kilowattstunden (kWh) und einmal mit zehn kWh. Nur das kleinere Modell zum Preis von 3.035 Euro soll sich über zehn Jahre garantiert mit täglichen Ladezyklen für die kontinuierliche Stromversorgung bei einer konstanten Leistung von 5 KW eignen. Damit ließen sich dann nicht nur Fön oder Fernseher betreiben, sondern auch die Waschmaschine.
Das 10kWh-Modell (3.535 Euro) dagegen ist mit den für dieses Modell vorgesehenen wöchentlichen Ladezyklen vor allem als Strom-Backup und Notstromaggregat gedacht. Auch darauf gibt Tesla Energy zehn Jahre Garantie. Die Powerwall-Preise sind Großhandelspreise ohne Mehrwertsteuer, ohne den Preisaufschlag durch den Händler, ohne die nötige Installation vom Fachmann und vor allem ohne den nötigen »Wechselrichter«, ohne den sich der mit der natürlich ebenfalls benötigten Photovoltaik-Anlage auf dem Dach erzeugte Strom daheim nicht nutzen ließe. Optisch macht sich die Powerwall hier neben dem Tesla Model S auf jeden Fall super.

Erst ab jetzt soll die Powerwall produziert werden

Anfang August revidierte Musk seine Ankündigung vom 30. April: Nicht mit der Auslieferung der Wohnakkus wolle Tesla Energy in diesem Sommer beginnen, sondern erst mit der Produktion, zitiert ihn der Wirtschaftsdienst Bloomberg.

Erhältlich wären sie wohl so oder so noch nicht für jeden Interessenten, erst recht nicht hier zu Lande. Denn anderen Meldungen zufolge sollen seit der Powerwall-Vorstellung bereits so viele Kundenreservierungen vorliegen, dass Musks Heimbatterien theoretisch schon bis weit hinein ins nächste Jahr vergriffen sind.

Soll man sich eine Powerwall anschaffen?

Aber irgendwann im nächsten Jahr soll Teslas Gigafactory den Betrieb aufnehmen. Gemeinsam mit Panasonic errichtet Musks Firma diese gigantische Akku-Fabrik zur Zeit auf einem Quadratkilometer Nutzfläche im amerikanischen Bundesstatt Nevada. Am Ende soll sie eine überwältigende Produktionskapazität von insgesamt angeblich mehreren Gigawatt Akku-Leistung haben. Beobachter erwarten mit der endgültigen Verfügbarkeit der Powerwall denn auch einen weiteren, deutlichen Preisrutsch für die bislang erhältlichen Heimspeicher anderer Hersteller.

Und wie die Wirtschaftswoche berichtete, fallen die Preise für vergleichbare Heimakkus kontinuierlich und sind auch im vergangenen Jahr wieder um ein Viertel gefallen. Sie lägen aber immer noch deutlich über den Preisen für Teslas Powerwall. 

Experten gehen davon aus, das Tesla seine Akkus mit Blick auf künftige Gewinne aus der im nächsten Jahr wohl anlaufenden Massenproduktion in seiner Gigafactory selbst subventioniert und die Speicher unter den kalkulierten Gestehungskosten anbietet.

Die Kosten-Nutzen-Berechnung für die Anschaffung und den Betrieb einer eigenen Photovoltaik-Anlage mit Powerwall ist nicht ganz einfach und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Auf einer einsamen Insel ohne jegliche Stromversorgung etwa rechnet sie gewiss sich völlig anders als im sehr gut stromvernetzten Deutschland.

So hängt es vom Preis für eine Kilowattstunde Ökostrom beim Netzbetreiber, von der Höhe der Einspeisevergütung für selbstproduzierte Solarenergie ab und natürlich von den Fixkosten für den weiterhin erforderlichen Stromzähler, ob sich eine oder mehrere Powerwalls überhaupt anzuschaffen lohnen.

Erste Modellrechnungen sprechen von Speicherkosten zwischen zehn und 17 Eurocent pro Kilowattstunde Ökostrom über den von Tesla versprochenen Garantiezeitraum von zehn Jahren. Je nachdem, wie viel Speicherkapazität man täglich nutzen kann. Das wäre natürlich ein Schnäppchen, wenn es sich denn als wahr und richtig gerechnet herausstellen sollte.

Volkswirtschaftlich gesehen entlastet der Eigenverbrauch von Sonnenenergie auf jeden Fall die zuletzt nicht selten durch eingespeisten Ökostrom überlasteten Stromnetze. Allein 2014 seien hier zu Lande nämlich fast 25 Gigawattstunden Solarstrom Dank heimischer Speichersysteme selbst verbraucht worden, weiß das Berliner Wirtschaftsministerium.

Denn von Mai 2013 und März 2015 wären mehr als 17.000 Solarstromspeicher mit einer kumulierten nutzbaren Speicherkapazität von 120 Megawattstunden in Betrieb genommen worden. Über die Hälfte dieser Speichersysteme seien über die »Richtlinien zur Förderung von stationären und dezentralen Batteriespeichersystemen zur Nutzung in Verbindung mit Photovoltaik-Anlagen« öffentlich gefördert worden.

Blöderweise ist eigentlich vorgesehen, die Photovoltaik-Speicherförderung des Bundeswirtschaftsministerium Ende des Jahres 2015 auslaufen zu lassen. Ob sie 2016 wieder aufgenommen wird und dann auch für eine dann wahrscheinlich verfügbare und zudem deutlich günstigere Powerwall gelten kann, das wollen die Ministeriellen aber demnächst entscheiden.

Update 22.06.2016: Tatsächlich hat das BWMi die Föderung bis 2018 verlängert, allerdings unter neuen Konditionen und Förderungsbedingungen. Empfehlenswert ist bei Interesse ein Besuch der Seite der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die alle notwendigen Informationen übersichtlich bietet. Auch bei der Powerwall hat sich einiges geändert. Mittlerweile können auch hierzulande Speicheranlagen von Tesla bestellt werden. Allerdings nur in einer Ausführung mit einer Speicherkapazität von 6,4 kWh.

Artikelvom  18. August 2015
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