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Die Hausbrauerei: Jetzt kann jeder selbst Bier brauen

vonRobert Basic

Bier brauen kann jetzt jeder, in der eigenen Küche oder im Garten. Natürlich ist die Bierbraukunst eine kleine Wissenschaft und es kann wunderbar über sie gefachsimpelt werden. Aber es ist wirklich ganz einfach, eigenes Bier herzustellen. Und es schmeckt.

Ich stand am Bierstand von PicoBrew auf der CES-Messe in Las Vegas und beobachtete, wie den überwiegend männlichen Messebesuchern Testbierchen in winzigen Plastikbechern gereicht wurden. Ich studierte ihre Mimik und auffallend war, dass bei allen die nahezu gleiche Abfolge zu beobachten war: Erst schauten sie misstrauisch, dann grinsend. Deshalb habe ich mir PicoBrew mal genauer angesehen.

Was ist es?

Ein Apparat für das heimische Bierbrauen

PicoBrew ist keine Bierbrauerei. Auch keine kleine Craft-Beer-Brauerei, wie sie landauf, landab in den USA wie Pilze aus den Boden schießen. Die kleine Firma aus Seattle im US-Bundesstaat Washington bietet mit ihrer "Pico" eine Biermaschine an, die nicht wesentlich größer als eine Kapsel-Kaffeemaschine ist. Und genauso einfach, wie wir zuhause Kaffee aufbrühen, möchte PicoBrew uns das Bierbrauen ermöglichen. Kapsel rein, Knopf drücken, Bier brauen. Und so das Nespresso der Bierbranche werden. 

Was macht sie?

Sie macht Bier wie Kapselkaffee-Automaten Kaffee kochen. Dauert nur länger.

Tatsächlich muss man für das selbst gebraute Tröpfchen nicht mehr tun, als ein sogenanntes „PicoPak“ mit den fertig abgestimmten Zutaten aus den derzeit über 100 Geschmackssorten im Store bestellen und dieses Pak in die „Pico“ schieben. So ähnlich also, wie bei den Kapselkaffee-Automaten eben die Kapseln. Dann noch den Bitterkeits- und Alkoholgehalt feinjustieren und einschalten. Der erste Brauvorgang startet vollautomatisch, denn "Pico" liest via Barcode die Sorte aus und weiß damit genau, was es zu tun hat. Innerhalb des zweistündigen, ersten Brauvorgangs wird der Saft in ein fünf Liter fassendes Gärfässchen, dem Keg, gepumpt. Danach dauert es rund eine Woche, bis das Bier zu Ende gegärt und servierbereit ist.

Wie sieht das aus?

Was braucht man noch?

PicoPaks, Kegs, KegSmarts und Kleinteile

PicoBrew hat mittlerweile über 100 unterschiedliche Biersorten von diversen Craft-Beer-Anbietern zusammengetragen, die der Kunde im hauseigenen Shop ordern kann, für den er sich mit seiner Maschine aber erst registrieren muss. Je nach Sorte kostet ein PicoPak zwischen 20 und 60 USD. Damit positioniert sich PicoBrew als Online-Distributor für die vielen kleinen Craft-Beer-Hersteller, denen sich damit ein völlig neuer Weg eröffnet, ihre Biere zu verkaufen. PicoBrew selbst lässt sich hierzu die Zutatenrezeptur geben und produziert daraus die PicoPaks. Die Pico-Maschinen rufen vor dem Brauvorgang die Rezeptur online PicoPaksab und legen los. Die Kunden wiederum können ihre Sorte geschmacklich bewerten und Kommentare zu jeder Sorte hinterlassen. Klasse Idee, klasse Kreislauf! 

An Zubehör sind zudem sogenannte Kegs notwendig, also die Fässchen, in denen das Bier gären kann. Für die Kegs wiederum gibt es KegSmarts wie Zapfhähne und diverse Kleinteile, die dem Home Brewer das Brauerleben erleichtern sollen.

Für wen ist es?

Spaß und Genuß für Craft-Beer-Freunde, im Garten oder in der Küche

Die Idee mit der kleinen Braumaschine für zu Hause hat Bierfreunde in den USA so sehr begeistert, dass sie für ihre Finanzierung über das Crowdfunding-Portal Kickstarter.com über 1,4 Millionen US-Dollar zuschossen und sie damit zu einem der erfolgreichsten Projekte aus dem Bereich Food avancierte!

Nachdem ihr erstes Modell Zymatic bereits den anspruchsvolleren Heimbrauer angesprochen hatte, der noch wesentlich mehr Know How benötigt und mehr Hand anlegen muss, bis er ein gelungenes Bier zapfen kann, erreicht PicoBrew mit dem kompakteren Modell Pico den Nespresso-Typus, der sich gar keinen Kopf um den Brauvorgang machen möchte. Und der sich und seinen Gästen vielmehr ein frisches, individuelles Bier mit DIY-Feeling gönnen möchte.

Für wen ist es nicht geeignet?

Echte Bierbrauer werden empört die Nase rümpfen

Wer sich bereits selbst intensiv mit dem Brauen von Bieren auseinander gesetzt hat und bisher sein heimisches Bier akribisch nach eigenen Rezepten mit Gerstenmalz und Enzymen angesetzt, geläutert und im Eimer in der heimischen Küche mit Hopfen und Hefe versetzt hat, der wird nun schnauben und "Frevel!" rufen. Denn für wahre Craft-Beer-Brauer bedeutet so eine Bier-Kapsel das Ende des Abendlandes. Ähnlich wie für Kaffeeröster die völlig überteuerte Nespresso-Kapseln, die auch noch massiv die Umwelt belasten.

Wo kann man ihn bekommen und was kostet er?

Die ersten Picos werden im Frühjahr 2016 ausgeliefert

PicoBrew liefert voraussichtlich ab Mai die ersten Pico-Maschinen an jene aus, die die Realisierung des Projekts durch ihre Vorbestellung angeschoben haben. Danach wird der Preis von 699 USD auf 999 USD steigen. Vorbestellt werden kann das Gerät für die kleine Hausbrauerei im PicoBrew-Store oder via Kickstarter und es wird auch nach Deutschland geliefert. Hier kommen dann nochmal extra Versandkosten und Zoll hinzu.

Fazit zur PicoBrew Hausbrauerei

Finanziell gesehen ist diese Anschaffung wohl nicht die vernünftigste: Von dem Geld kann man sich viel gutes Craft Beer fix und fertig bestellen, das von Profis mit viel Liebe und Know How gebraut wurde. Aber man muss ja nicht immer vernünftig sein. Gerade wenn man experimentierfreudig ist und gerne auch mal seinen Schrebergartennachbarn mit seinem höchstpersönlich angeeigneten Bierbrauerwissen beeindrucken möchte, für den wird die Pico ein Gerät mit Begeisterungsfaktor sein.

Und wenn man doch die Lust verlieren sollte, weil es nicht schmeckt wie es sollte, dann gart man einfach seinen Sonntagbraten damit. Denn die Pico ist gleichzeitig ein Vakuumgarer.

Ich sag dann mal: Prost!

Artikelvom  24. Januar 2016
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