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Carsharing – Warum der Trend so erfolgreich ist

von Tobias Hager

Carsharing ist eines der bestimmenden Themen neuer Mobilitätslösungen. Die Idee dahinter? Geld zu sparen und trotzdem immer ein Auto zur Verfügung zu haben. Warum das so in diese Zeit passt, erfahren Sie hier.

Eine neue Facette des Leihens statt Kaufens

Lange Zeit galt das Auto als des Deutschen wichtigste Anschaffung. Das Auto war Statussymbol, Visitenkarte, Aushängeschild. Mit eigenem (Mittelklasse)-Wagen hatte man es geschafft. Man konnte zeigen, wer man ist. Heute klingt das wie aus einer anderen Welt. Denn insbesondere bei jüngeren Menschen setzt sich ein anderer Trend durch – teilen statt kaufen, lautet die Devise. Einer der Leitgedanken des Carsharing ist: Man nutzt etwas nur dann, wenn man es auch wirklich braucht.

Die Idee ist vor allem beim Auto leicht nachzuvollziehen. Gehen mal von mir aus. Ich besitze einen netten kleinen Kombi, den ich vor 5 Jahren sehr günstig gekauft habe. Mir war es wichtig Platz zu haben und das Auto möglichst sparsam unterhalten zu können. Ich ging bis vor kurzem davon aus, dass dem auch so ist. Carsharing kann die Kosten allerdings noch einmal massiv drücken. Nachdem ich stets versuche, alle Vorteile neuer technischer Errungenschaften auszunutzen, kommt mir Carsharing eigentlich ganz gelegen. Mein Kombi steht die meiste Zeit ungenutzt, aber bezahlt herum. Nachts, während ich arbeite, und sogar während meines morgendlichen Frühstückkaffees kostet mich mein eigenes Auto Geld. Ich fahre es nur, um mich durch den Münchner oder Hamburger Stadtverkehr zu quälen. Im Endeffekt sind das etwa zwei bis drei Stunden Fahrzeug-Nutzung pro Tag. Carsharing verspricht nur diese zwei bis drei Stunden effektive Fahrtzeit zu zahlen.

Geld sparen mit Carsharing

Laut dem ADAC zahlen Autobesitzer für ihr eigenes Fahrzeug etwa 400 bis 500 Euro pro Monat. In diese Rechnung fallen natürlich auch anteilige Kosten für TÜV, Steuer, Reparaturen etc. hinein. Je nachdem welchen Carsharing-Anbieter man verwendet, kann man laut einigen Anbietern und Befürwortern bis zu 50 Prozent sparen. Diese Aussage pauschal zu treffen ist natürlich gefährlich. Es spielen in Sachen Kosten schließlich viele verschiedene Faktoren und nicht zuletzt die eigene Nutzungsart hinein. Grundsätzlich fallen beim Carsharing aber Fixkosten wie Steuer, Versicherung und TÜV weg. Auch die Anschaffungskosten für ein Auto liegen erstmal nicht auf dem eigenen Geldbeutel. Bei über 1,3 Millionen Carsharing-Nutzern in Deutschland sprechen wir von einer großen Zielgruppe, die im Schnitt zwischen 20 und 35 Jahren alt ist. Hier geht es oft darum, Geld zu sparen und auch bei den Carsharing-Kosten wird ganz genau hingeschaut.

Die vielen Anbieter unterscheiden sich teilweise massiv im Preis. Eine Anmeldegebühr wird zwar meistens fällig, hält sich aber in Grenzen. Der Nutzer zahlt meistens nur für gefahrene Distanz und Zeit. Dieses System ist vor allem im Stau etwas anfällig, denn die Zeit im Stau zahlt natürlich der Nutzer. Wer außerdem will, kann bei vielen Anbietern vor der Fahrt auch gleich eine zusätzliche Versicherung abschließen, welche für wenige Euro die Selbstbeteiligung im Schadensfall drastisch senkt. Auch ein Carsharing-Fahrzeug muss ab und zu getankt werden. Hierfür liegen Tankkarten im Handschuhfach bereit, mit denen der aktuelle Fahrer tanken kann. Wichtig ist zu wissen, wann ein geliehenes Auto getankt werden muss. Meistens, wenn die Tankanzeige vor Fahrtende weniger als ¼ voll ist. Ab wann sich Carsharing wirklich lohnt, lässt sich leider auch nur schwer sagen. Stiftung Warentest spricht von einer magischen 5000-Kilometer-Grenze im Jahr. Wer mehr als das fährt, kann von Carsharing wohl noch nicht profitieren. Nachdem die Anbieter aber stets an Verbesserungen arbeiten, kann sich das schnell ändern. Ich zahle für die meisten Carsharing-Fahrten zwischen 5 und 10 Euro, was ein sehr guter Preis ist, wenn man kein eigenes Auto nebenbei unterhalten muss.

Carsharing-Angebote im Vergleich

Leihen statt kaufen ist in vielen Bereichen ziemlich smart. Ähnlich wie mein Internet-Router nur gemietet und nicht gekauft ist, könnte das Prinzip auch irgendwann im Mobilitätssektor Normalität werden. Leihräder sind in Städten auch sehr beliebt. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern wie beispielsweise Schweden. Carsharing ist zwar auch ein europaweiter Trend, allerdings noch weit von Normalität entfernt. Ich komme nämlich nicht mehr mit meinem Auto, sondern mit dem Auto. Das Statussymbol Auto fällt damit unter den Tisch. Das ist vielleicht auch einer der Gründe, wieso die Carsharing-Nutzer vergleichsweise jung sind.

Wenn man herausfinden möchte, welcher Anbieter der Beste für einen ist, muss man zwischen zwei grundsätzlichen Carsharing-Systemen unterscheiden. Beim klassischen Carsharing mietet man Fahrzeuge an Stationen. Dort müssen diese auch wieder zurückgebracht werden. Dort steht eine breitere Auswahl an Modellen zur Verfügung und Leihautos können etwas länger im Voraus reserviert werden. Vor allem in größeren Städten beliebter ist das Free-Floating-System. Hier lokalisiert man das nächstgelegene Fahrzeug vor dem Bedarf per Smartphone-App und mietet es an. Abgestellt wird es dann irgendwo im Nutzungsgebiet. Der Vorteil ist, dass man nochmals flexibler ist. Im Gegenzug kann es auch vorkommen, dass das nächste Fahrzeug etwas weiter weg ist. Car2Go, DriveNow und Multicity gehören zum Free-Floating-System. Anbieter wie Flinkster, ein Unternehmen der Deutschen Bundesbahn, Stadtmobil oder Cambio sind klassische Carsharing-Anbieter. Experten und tägliche Nutzer gehen im Moment davon aus, dass man wohl zwei Anbieter kombinieren muss, um wirklich zufrieden zu sein.

Erstaunlich guter Zustand

Egal bei welchem Anbieter, die Fahrzeuge sind meistens in einem guten bis sehr guten Zustand. Wichtig ist es aber trotzdem vor der Fahrt alle bereits protokollierten Schäden zu überprüfen und vor allem nach neuen Beschädigungen Ausschau zu halten. Schließlich will man selbst nicht für den Schaden anderer Fahrer haften. Mir selbst ist es zum Beispiel bereits passiert über 10 kleine Schäden am Fahrzeug vorgefunden zu haben. Manche dieser Schäden, wie zum Beispiel ein leichter Marder-Schaden, konnte ich nicht mal finden. Das kostet Zeit, ist aber wichtig. Besonders hervorzuheben ist der gute Support der meisten Anbieter. Egal ob Free-Floating oder klassisches Carsharing – die Support-Hotlines sind meistens schnell und kostenfrei zu erreichen. Dort bekommen Fahrer Auskunft über Schaden am Fahrzeug, allgemeine Fragen oder auch auftretende Probleme. Ein Beispiel sind Elektroautos. Nachdem das Elektroauto in Deutschland noch nicht allzu gut angenommen wurde, wissen viele Nutzer zum Beispiel nicht wie aufgeladen wird. Die Support-Hotline kann aber schnell helfen.

Für wen lohnt sich Carsharing?

Auto leihen – ist das schon smart genug? Für wen eignet sich Carsharing denn nun wirklich? Reicht es aus unter 35 zu sein und in einer Stadt zu leben? Nein definitiv nicht. Zu leihen, anstatt zu kaufen, eignet sich in erster Linie für Menschen, die keine weiten Distanzen zurücklegen und ein breites Carsharing-Angebot in der Umgebung haben. Wer also regelmäßig kurze Strecken von A nach B in einer Großstadt mit dem Auto fahren muss, wird mit Carsharing höchstwahrscheinlich glücklich werden. Es ist unabhängiger und vor allem günstiger als der Besitz eines eigenen Autos. Für mich ist Carsharing leider noch keine Alleinlösung, weil ich regelmäßig zwischen vielen Orten in Europa pendeln muss und deshalb auf ein eigenes Auto angewiesen bin. Smart ist Carsharing aber allemal und vor allem in der heutigen Zeit auf jeden Fall eine Alternative in Sachen Mobilität. Zu Recht weitet sich der Trend also mehr und mehr aus. Inzwischen versuchen sogar nicht mehr nur junge Leute mit Carsharing Geld zu sparen, sondern auch ältere Menschen öffnen sich zunehmend dafür. Ein smarter Lebensstil ist eben nicht auf das Alter begrenzt und setzt sich erfahrungsgemäß meistens mit der Zeit durch.

Artikel vom   24. November 2016
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