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Anonym im Netz: Einfacher, als Sie glauben

von Christian Zeiser

Wer im Internet unterwegs ist, hinterlässt Spuren. Wir zeigen zwei einfache Tricks, mit denen Sie nur das preisgeben, was Sie wollen.

Nehmen wir an, Sie haben sich gestern in einem Online-Shop einen LCF-Fernseher angesehen. Heute bekommen Sie überall Werbung für Fernseher präsentiert – bei Google, bei Facebook, überall. Nehmen wir an, Sie wohnen in Köln und sind über 50, Ihr Alter und Ihren Wohnsitz haben Sie bei irgendeinem Web-Service, bei dem Sie ein Konto besitzen, angegeben. Jetzt sind sie mit Ihrem Laptop beruflich in München, und was passiert? Sie sehen ständig Anzeigen, die sich an Menschen Ihrer Altersgruppe richten, und zwar an Menschen in München, nicht in Köln. Wer im Netz surft, gibt unweigerlich vieles von sich preis, dafür muss man es noch nicht einmal auf Facebook posten. Webdienste sammeln unsere Daten und verarbeiten diese. Das ist oft sogar praktisch, manchmal aber auch lästig. Dabei ist es einfach, die Kontrolle darüber zu behalten, wer mithören darf und wer nicht. Notwendig sind hierfür nur zwei Schritte:

Die Zwei-Browser-Lösung

Zunächst einmal sollten Sie sich einen zweiten Browser herunterladen. Ideal hierfür ist ein Programm, das bisher eher ein Schattendasein fristete, mittlerweile aber allen anderen Browsern gegenüber einen großen Vorteil hat: Opera. Der Browser bietet nämlich die Möglichkeit, über ein VPN-Netz zu surfen. Das bedeutet: Ihr gesamter Datenverkehr wird über ein virtuelles Netzwerk umgeleitet und Sie hinterlassen im Netz nicht mehr ihre eigenen Spuren. Jeder mit dem Internet verbundene Computer verfügt über eine IP-Adresse, die erstens so einzigartig wie ein Fingerabdruck ist und zweitens gewisse Rückschlüsse auf den Nutzer zulässt. Diese Adresse wird Ihnen automatisch zugeteilt, wenn Sie sich über Ihren Provider mit dem Internet verbinden und bleibt häufig über lange Zeit dieselbe. Haben Sie sich schon einmal gewundert, warum sie Werbung sehen, die sich auf Ihren Standort bezieht? Das liegt daran, dass Ihre IP-Adresse diesen verrät. Über ein VPN-Netz surfen Sie aber mit der IP-Adresse eines VPN-Servers – und der kann zum Beispiel irgendwo in den USA stehen. Rückschlüsse auf Sie sind so nicht mehr möglich. Auch bestimmte Zugangsbeschränkungen – „Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar“ – lassen sich so umgehen. So geht’s: Nach dem Download von Opera (für Windows, Mac OS und Linux verfügbar) öffnen Sie die Einstellungen. Klicken Sie in der linken Spalte auf „Datenschutz und Sicherheit“ und setzen Sie dann einen Haken neben „VPN aktivieren. Schon surfen Sie weitgehend anonym. Daneben behalten Sie einfach Ihren bisherigen Browser für alle Aktivitäten, bei denen Sie nicht anonym sein möchten. Das können soziale Netzwerke oder Online-Shops sein – eben alles, bei dem Sie über ein Nutzerkonto verfügen und somit ihre Identität nicht geheim sein soll.

Finden Sie heraus, wer mithören will

Auch, wenn Sie ohne den Schutz eines VPN im Internet surfen, können Sie sich vor unliebsamen Mithörern schützen. Der Aufruf einer einzelnen Webseite nämlich sendet leicht zehn- bis 50-mal Daten über ihr Surfverhalten an Stellen, die sich dafür interessieren. Das können Analyse-Dienste wie Google Analytics sein, die Zugriffsberichte für Webanbieter erstellen, oder Anzeigendienste, die mitzählen, wie oft eine bestimmte Werbung angezeigt wurde. Sie bemerken die Arbeit dieser Dienste etwa, wenn Sie sich bei Amazon ein Produkt angesehen haben und anschließend an ganz anderen Stellen im Internet Werbung für ähnliche Produkte angezeigt bekommen. Die meisten dieser Dienste sind harmlos und verfolgen berechtigte Ziele. Trotzdem müssen Sie nicht wollen oder dulden, dass sie Ihre Daten erheben.

Kontrolle darüber, wer was von Ihnen erfährt, gibt Ihnen der Service Disconnect. Er besteht aus zwei Erweiterungen für Ihren Lieblings-Browser (Chrome, Firefox, Safari und Opera). Ein Plug-in fügt dem Browserfenster eine kleine Schaltfläche hinzu, die beim Aufruf einer Seite anzeigt, wie oft zusätzliche Daten angefragt wurden – und vom wem. Die Übertragung dieser wird sogleich unterbunden. Wenn Sie bestimmte Daten dennoch senden wollen, können Sie dies in den Einstellungen festlegen. Das zweite Plug-in sorgt dafür, dass auch bei einer Websuche Ihre Daten nicht erfasst werden. Trotzdem haben Sie die Wahl zwischen den Suchdiensten Google, Bing, Yahoo, Blekko und DuckDuckGo. Die Anonymisierung funktioniert dabei sowohl bei der Suche über die Adresszeile des Browsers als auch beim Besuch der Webseite selbst.

Freilich können Sie auch nur mit Opera und aktiviertem VPN surfen. Sobald Sie sich allerdings in Ihre Konten bei Facebook, Amazon, Google und anderen einloggen, ist es mit Ihrer Privatsphäre teilweise wieder vorbei.

Eine gute Variante sicheren Surfens bietet auch der E-Blocker. Das ist ein Gerät, das man mit dem heimischen Computer verbinden kann und das dafür sorgt, dass ungewünschte Werbung nicht mehr zugelassen wird.

Artikel vom   27. April 2017
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