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Alles smart, oder was?

von Agi Kaplan

Smart klingt gut. Aber ist es das auch? Theoretisch ja, wenn alles so funktionieren würde, wie man es sich wünscht. Ein kleiner Realitätscheck.

Zwei Jahre und 31 Tage ist es nun schon her. Der schicksalhafte Abend, an dem mein Mann beim traditionellen Sylvester-Raclette bei Freunden davon hörte, wie toll ein Smart Home ist. Zwei Jahre und 31 Tage voller technischer Überraschungen (positiven und negativen) für mich und durchprogrammierter Nächte für ihn. Denn – und das muss man wissen, wenn ich von Smart Home spreche – mein Mann ist das, was man gemeinhin wohl als „Nerd“ bezeichnen würde. Deshalb durfte es für ihn natürlich auch kein „langweiliges, fertiges“ Smart Home Paket sein. Lieber alles selber programmieren. Wofür hat man denn sonst seine Freizeit, nicht wahr? So kam es, dass unser Zuhause „smart“ wurde. Mithilfe eines selbst programmierten Systems auf Grundlage eines Raspberry Pi. (Das ist übrigens ein Einplatinencomputer, für alle die es interessiert.)

Smarte Installationen verbrennen viel Zeit

Unser smartes Zuhause umfasst: eine Alarmanlage mit Videoüberwachung, eine automatische Lichtsteuerung nach Helligkeit und einen Entertainment-Schalter, der bei Betätigung das Licht dimmt und Fernseher, Musikanlage, etc. anschaltet. Steuern lässt sich das Ganze über eine App. Anfangs war ich naturgemäß sehr skeptisch. Kann das denn wirklich funktionieren? Und braucht man so etwas überhaupt? Und warum sitzt er jetzt ständig vor dem Computer und programmiert, anstatt etwas Sinnvolles zu tun? Die Sinnfrage stand dabei tatsächlich im Vordergrund. Ich habe mir nicht vorstellen können, dass dieses sogenannte „smart home“ wirklich etwas bringt. Es hat dann auch einige Zeit gedauert, bis alles funktionstüchtig war. Und ich habe mich auch des Öfteren furchtbar aufgeregt über diese vermeintliche Zeitverschwendung.

Smart macht vieles angenehmer

Mittlerweile läuft das System jedoch schon eine ganze Weile und ich muss sagen, die ein oder andere Funktion möchte ich nicht mehr missen. Die Vorteile eines smarten Zuhauses haben auch mich überzeugt. Selbstredend ist eine Alarmanlage eine sinnvolle Sache. Zusammen mit der Videoüberwachung auch durchaus praktisch, um mal zu schauen, was der Hund so macht, wenn er alleine Zuhause ist. Über die Entertainment Funktion freue ich mich auch regelmäßig. Statt mit 3 Fernbedienungen zu hantieren und 4 Lichtschalter zu betätigen, reicht ein einziger Knopfdruck. Die Lichtsteuerung hingegen nervt manchmal etwas, da sie für meine Verhältnisse zu schnell anspringt. Das ließe sich wahrscheinlich ändern, indem man die Empfindlichkeit der Sensoren anders einstellt. Aber wie soll ich das als Otto-Normalverbraucherin hinkriegen bei dem NSA-Super-System meines Mannes?

Lieber einen Profi holen

Aus diesem Grund würde ich auch eine Sache definitiv anders machen, wenn es um die Frage „Smart Home oder nicht Smart Home“ geht. Ich würde jedem, der sich mit dem Gedanken trägt, sowas aufzubauen, raten, auf selbstprogrammierte Geschichten zu verzichten. Es sei denn man ist ein wirklich passionierter Programmierer, der allein im Wald lebt und Unmengen von Freizeit hat. Allen anderen würde ich die Variante „Plug & Play“ empfehlen. Denn schließlich sollen ja alle Bewohner Spaß an der Sache haben. Und das geht umso besser, wenn die Einrichtung nicht furchtbar zeitaufwendig ist, man auch als Laie in der Lage ist, Einstellungen zu verändern und wenn man bei Problemen auf einen Support Service zurückgreifen kann.

Pech für alle, die es nicht bedienen können

Das ist bei uns definitiv nicht der Fall. Für jede Kleinigkeit bin ich auf meinen Mann angewiesen. Zudem - unter uns gesagt - arbeitet das Ganze auch nicht wirklich zuverlässig. Nichts gegen die Programmierkünste meines Mannes. Aber wenn er mich z.B. fragt, ob die Alarmanlage schon aus ist, lautet meine Antwort: „Theoretisch – ja.“

Artikel vom   18. April 2016
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