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Allergien und Unverträglichkeiten – diese Apps und Gadgets helfen

von Rüdiger Maulko

Wer unter Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten leidet, freut sich über jedes Helferlein. Wir stellen Ihnen die Technik vor, die den Alltag erträglicher macht.   

Husten, Schnupfen, Verdauungsbeschwerden – ein Leben mit Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist wahrlich nicht leicht. Apps & Gadgets können die Probleme zwar nicht beseitigen, aber die Lebensqualität steigern und lästigen Symptomen vorbeugen.

Smarte Problemlöser für Heim und Garten

Die Bilder von versmogten asiatischen Städten kennt mittlerweile jeder. Leider nimmt auch hierzulande die Umweltbelastung speziell in den Städten zu. Daher lohnt sich für Allergiker die Anschaffung eines Luftreinigers. Preisgünstig und effizient befreit der LR 200 von Beurer die Luft von Feinstaubpartikeln und Pollen. Der Dyson Pure Cool Link punktet mit ausgefallener Optik und einer smarten Steuerung via App. Der Hightech-Reiniger kostet allerdings um die 500 Euro.

Stauballergiker sollten die Anschaffung eines Saugroboters erwägen. Die innovative Technik steht zwar erst am Anfang, arbeitet aber heute schon recht zuverlässig und reduziert den Putzaufwand deutlich. Hochflorteppiche, Treppen und Gegenstände auf dem Boden sind allerdings noch ein Problem. Für einen technisch ausgereifteren Staubbutler blättert man derzeit – je nach Ausstattung und Leistungsfähigkeit - zwischen 300 und 600 Euro hin. Allergiker sollten darauf achten, dass das Objekt der Begierde mit einem effizienten Hepa-Filter gegen Feinstaub, Milbenallergene und Pollen ausgestattet ist. Allergene kann man auch im Garten auf Abstand halten. Mähroboter setzen sich im Alleingang mit der heimischen Vegetation auseinander. Was bei deren Einsatz zu beachten ist, erfahren Sie in unserem Aritkel über smarte Garten-Gadgets.

Allergien mit Apps im Zaum halten   

Laut Statistik leidet mittlerweile nahezu jeder Fünfte in Deutschland an Heuschnupfen, Tendenz steigend. Die App Husteblume zeigt die Tagesbelastung mit Allergenen an und hilft mit einem Selbsttest bei der Diagnose. Nützlich, wenn man sich nicht sicher ist, ob tatsächlich eine Allergie vorliegt und ein Arzttermin zur Abklärung anliegt. Ein Lexikon informiert über die pflanzlichen Übeltäter Ambrosia, Birke & Co. Husteblume macht grafisch anschaulich deutlich, wie Pollenbelastung, Medikamenteneinnahme und Beschwerden auf Dauer korrelieren. Via Selbstbeobachtung lernt man die Krankheit und ihre Symptome besser kennen und fördert dabei auch hilfreiche Details für ein diagnostisches Gespräch mit dem Arzt zutage.

Die App Pollen informiert ebenfalls über Allergene und Tagesbelastungen. Das Pollentagebuch ist ein weiteres nützliches Feature. Nach Registrierung erstellt der Nutzer ein individuelles Belastungsprotokoll, auf dessen Grundlage eine maßgeschneiderte Belastungsvorschau erstellt wird. Pollen hilft auch bei einer anstehenden Reise. Prognosekarten geben europaweit Auskunft über die Belastung der Luft mit Allergenen. Die App Pollen-Radar ist für eine Inlandsreise ideal, da sie eine Karte mit bundesweitem Pollenalarm bereithält. Nützliche Verhaltenstipps bei Allergien sind mit an Bord.

Wer unter allergischem Asthma leidet, kann auf AsthmaCheck zurückgreifen. Die von Lungenärzten entwickelte App bietet ein Patiententagebuch und erinnert an die Medikamenteneinnahme sowie an routinemäßige Messungen der Lungenfunktion (Peak-Flow-Messungen). Bei der Bekämpfung und Behandlung einer Hausstaubmilbenallergie hilft MilbenCheck. Reagiert man allergisch auf Insektengifte, ist Stichalarm empfehlenswert. Verhaltens- und Behandlungstipps klären auf und helfen im Notfall, eine Facharztsuche gehört zum Funktionsumfang.

Die Verdauung schlägt Alarm - diese Apps helfen bei Ernährungsproblemen

Hat man mit Lebensmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranzen zu kämpfen, ist das Smartphone beim Einkauf unverzichtbar. Via App kann ein schneller Zugriff auf kompakte Infos erfolgen, nerviges Googeln im Supermarkt entfällt. Der aid E-Nummern-Finder für iOS und Android klärt auf, welche Zusatzstoffe sich hinter den geheimnisvollen E- Nummern verbergen. Der kostenlose Finder ist einfach aufgebaut, liefert das nötige Basiswissen und bewährt sich schnell als mobiles Nachschlagewerk.

Optimiert für den Einkauf im Supermarkt ist die kostenpflichtige App E Nummern Lebensmittelzusätze. Die Informationen sind via Ampelsystem schnell erfassbar, je nach Gefahrenpotenzial werden einer E-Nummer die Farben Grün, Orange oder Rot zugeordnet. Allergiker erhalten durch ein zusätzliches rotes Dreieck einen unmissverständlichen Warnhinweis. Außerdem können sie - wie übrigens auch Veganer und Vegetarier - ein persönlich angepasstes Profil für Ernährungsbeschränkungen anlegen. Lebensmittel mit Barcode liest in Windeseile die werbefinanzierte Gratis-App Codecheck ein. Unbedingt drauf achten: Damit die App personalisierte Verzehrwarnungen ausspricht, muss man die Nahrungsmittelunverträglichkeit(en) vorher im Einstellungsmenü auswählen.

All i can eat ist eine App, die recht viele Lebensmittel übersichtlich in Kategorien sortiert und deren Gefahrenpotenzial via Ampelsystem einschätzt. Beim Einkaufen sowie beim Neueinstieg in die Thematik leistet sie gute Dienste, leider fehlen in der minimalistischen App aber Hintergrundinformationen. Auch sind die Listen unvollständig. Es gibt z. B. derzeit nur wenige Käsesorten, die als genießbar eingestuft werden. Dabei können Laktoseintolerante bestimmte Käsesorten durchaus folgenlos konsumieren. Erfreulicherweise kann man solche Ausnahmen im Bereich „Eigene Lebensmittel“ dokumentieren und so auf Dauer eine maßgeschneiderte individuelle Datenbank anlegen. Detaillierter setzt sich die kostenpflichtige App Histamin, Fructose & Co mit Nahrungsunverträglichkeiten auseinander. Sie kombiniert ein Ampelsystem mit vertiefenden Hintergrundinfos, die über problematische Inhaltsstoffe aufklären. Zudem unterstützt die App etwa mit Nennung von Alternativprodukten den Einkauf konstruktiv. Leider hat auch hier die Datenbank aktuell noch Lücken.

Ein interessantes Konzept verfolgt die kostenlose App myFoodMap. Gibt man dort ein Produkt ein, spuckt die Datenbank ein regionales Geschäft aus, das Verträgliches im Angebot hat. Wird ein Laden in der Nähe eingegeben, kann man sich dessen Sortiment genauer anschauen - inklusive Verträglichkeitsbewertungen von Leidensgenossen aus der myFoodMap-Community. Die Datenbank ist noch im Aufbau, außer Lebensmittelketten und namhaften Bioläden wie Alnatura werden nur wenige regionale Anbieter angezeigt. Jeder kann übrigens nach einer Registrierung Lebensmittel bewerten und die Datenbank mit Produkt- und Shopeinträgen erweitern. In Zukunft wird sich zeigen, wie engagiert die Community mitarbeitet. Ein Tipp: Effizienter wird die Suche, wenn man die Anzeige der Produkte nach der jeweiligen Unverträglichkeit filtert. Für Kaffeejunkies auf Tour hat der Hersteller die App „Laktosefreier Kaffeefinder“ (Android / iOS) im Angebot.

Fazit: Hilfreich, aber verbesserungswürdig

Keine Frage, Leidgeplagte können im Alltag auf nützliche Apps & Gadgets zurückgreifen. Im Bereich Heimautomatisierung werden die Geräte in den nächsten Jahren sicher noch smarter und ausgereifter. Bei den ernährungs- und einkaufsbezogenen Apps fällt ein grundlegendes Problem auf: Der Lebensmittelmarkt ist äußerst dynamisch und ausdifferenziert. Will man nahezu lückenlos, stets aktuell und dazu noch deutschlandweit mit regionalem Bezug informieren, verschlingen Aufbau und Pflege einer brauchbaren Datenbank nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld. Hier werden wohl erst die nächsten Jahre zeigen, welcher App-Anbieter die enormen Herausforderungen meistern wird. Momentan sind die Verträglichkeits- und Produktlisten jedenfalls noch recht lückenhaft und teils auch mit Vorsicht zu genießen. Verallgemeinernde Empfehlungen z. B. sind nicht unproblematisch, da Allergien und Unverträglichkeiten individuell verschieden stark ausgeprägt sind. Während etwa ein Laktoseintoleranter ein Produkt mit einem geringen Laktosegehalt sehr gut verträgt, müssen längst nicht alle anderen Betroffenen ebenso positiv auf das Lebensmittel reagieren. Und natürlich können sich auch mal ungenaue oder falsche Informationen bei solchen Mammutprojekten einschleichen.  

Allergiker und Lebensmittelintolerante sollten auf jeden Fall nicht nur einer App vertrauen. Bei Informationsbedarf und Verdachtsmomenten bezüglich Allergie oder Unverträglichkeit helfen Bücher zum Thema, spezialisierte Portale (z. B. allergie.de) und Foren (z. B. Libase). Eine stichhaltige Diagnose und ärztliche Betreuung kann ohnehin kein Helferlein ersetzen. Gerade für Menschen, die aufgrund einer multiplen Intoleranz sehr viele Lebensmittel nicht vertragen, kann eine fachkundige Ernährungsberatung die Rettung sein.

 

Artikel vom   31. Juli 2017
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